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Seit einiger Zeit fand und findet eine intensive Zusammenarbeit zwischen der Berliner Feuerwehr und der zweiten Phase der Lehrerausbildung (vorfachlicher Unterricht / Lernbereich Sachkunde) statt. Ziel war und ist es im Rahmen der zweiten Ausbildungsphase für das Amt des Lehrers mit einem Fach die "Erziehung zum Brandschutz" ins Blickfeld der Auszubildenden zu rücken und in die Praxis des Lernbereichs Sachkunde zu integrieren. I. Relevanz des InhaltesEine unterrichtliche Berücksichtigung der Brandschutzerziehung liegt zwingend nahe, wenn man sich folgende Zahlen verdeutlicht: Im Jahr 2007 rückte die Berliner Feuerwehr zu 7.100 Brandeinsätzen aus. Es gab in diesem Zeitraum 30 Brandtote. Es muss also im Rahmen einer schulischen Sicherheitserziehung auch um die Erziehung zum Brandschutz und zur Vermittlung von Kenntnissen zur Brandverhütung gehen (Gefahr erkannt - Gefahr gebannt!)
Bei einer Befragung von 138 Grundschülern der Klassen 2-4 wollten 30% alleine Feuer anzünden, 26,2% wollten verbotenerweise alleine Feuer anzünden und 3,8% durften es alleine tun. Trotz des Verbotes der Eltern wollten 13,2% der Mädchen und 41,7% der Jungen alleine Feuer machen und 8,3% der Mädchen sowie 16,7% es trotz des Verbotes tun. Die Zahlen sprechen für sich (Schadenprisma, Zeitschrift für Schadenverhütung und Schadenforschung der öffentlichen Versicherungen, Brandschutzerziehung, Berlin 3/97). II. Entwicklungspsychologische GrundlagenDas sieben- bis elfjährige Kind beginnt, sich an Regeln zu orientieren. Es ist fähig, Schlußfolgerungen zu ziehen, wenn das Problem konkret und anschaulich vorgegeben ist. Das bedeutet: Das Kind ist in diesem Alter durchaus schon fähig, einfache, kleine wissenschaftliche Experimente durchzuführen, die Ergebnisse zu beobachten und Schlüsse zu ziehen. Es ist nicht nur fähig, eine Sache denkend zu durchdringen, sondern es leitet durchaus auch schon Konsequenzen und Regeln für sein eigenes Verhalten ab (,,Ich spiele nicht mit Feuer. - Ich will keine verbrannten Hände haben.") Das Kind dieser Altersstufe ist bereit und motiviert, sich mit seiner dinglichen und technisierten Umwelt auseinanderzusetzen. Bestimmte Fähigkeiten im Bereich der Wahrnehmung, die es auch auf dieser Stufe erst erwirbt, erleichtern und strukturieren diese Auseinandersetzung und gedankliche Durchdringung. Es sind dies:
Das Lernen geschieht weitgehend auf der Stufe des persönlichen Auseinandersetzens, Hantierens und Experimentierens mit dem jeweiligen Material. Je mehr die Kinder aktiv beteiligt sind, desto besser wird der Unterrichtsstoff verstanden und das Gelernte behalten. Deshalb ist es wichtig, daß die Kinder selber Versuche durchführen und das mit Versuchsmaterialien, die ihnen aus ihrem Umfeld vertraut sind.
Neben die Bereiche Wahrnehmung und Gedächtnis tritt als dritter entscheidender Bereich das Denken. Das Kind versucht ab dem 7./8.Lebensjahr mehr und mehr selbständige Erklärungen für die Erscheinungen seiner Umwelt zu finden. Und zwar sind es sogenannte wenn-dann-Erklärungen (Wenn ich ein Streichholz an der Reibfläche reibe, dann brennt es), d.h. die Kinder sind fähig, einfache Kausalzusammenhänge zu erfassen und sprachlich wiederzugeben. Allerdings ist dieses Kausaldenken noch stark auf das Anschauliche bezogen.
Zusammenfassend sei gesagt: Kinder dieser Altersstufe sind fähig und motiviert, planmäßig mit Dingen der Umwelt zu experimentieren, Geschehnisse bzw. Verhaltensweisen zu beobachten, einfache Schlüsse in Form von wenn-dann-Erklärungen zu ziehen und diese auf ihr eigenes Verhalten zu übertragen.
Das bedeutet: Die Kinder können und sollten möglichst auch selbst den Verbrennungsvorgang experimentell analysieren. In diesem Bereich muß der Schwerpunkt des Unterrichts auf den Schülerversuchen liegen. Es gibt Kritiker, die sagen, daß durch die Experimente in der Schule die Schüler erst richtig zum Zündeln verführt werden. Die Erfahrung zeigt, daß man diesen denkbaren Auswirkungen am sinnvollsten dadurch gegensteuert, indem man bei den Schülerversuchen einen hohen, fast schon überzogen wirkenden Sicherheitsstandard schafft.
Hierzu sind hinzuzurechnen:
Zusätzlich soll der Lehrer unter Beachtung der jeweils gültigen Sicherheitsregeln bereitstellen:
Der Lehrer sollte den Kindern bewußt diese Sicherheitsmaßnahmen erläutern, damit die Schüler erkennen können, welche Sicherheitsmaßnahmen für ein gefahrloses Zündeln notwendig sind. Unter Beachtung dieser Grundsätze sind den Autoren nach nunmehr fast zwanzigjährger Erfahrung keine Fälle von Zündeln bekannt geworden, die durch den Brandschutzunterricht initiiert worden wären.
Den Kindern müssen im Laufe des Brandschutzunterrichtes die Gefahren bei einem Brand eindringlich aufgezeigt werden, so daß sie daraufhin Konsequenzen für ihr eigenes Verhalten beim Umgang mit Feuer ziehen und Brandversuche nur in Anwesenheit von Erwachsenen durchführen. Darüber hinaus sollen sie die ihnen bei einem Brand empfohlenen Verhaltensweisen begreifen und ggf. im Gefahrenfalle anwenden können."
(siehe Julga / Julga, G. u. G.: Brandschutzerziehung bei Kindern und Jugendlichen. Beitrag für die Primarstufe, Kummerfeld 1994 Seite 11-17) III. Bezug zu allgemeinen und speziellen Aussagen des vorläufigen Rahmenplans Sachkunde für BerlinDer derzeit vorliegende Rahmenplan Sachkunde sieht den Unterrichtsinhalt "Brandschutz" explizit nicht vor. Da es sich um einen verbindlichen Angebotsplan handelt, lassen sich Inhaltsbereiche erweitern, schwerpunktartig ausbauen oder projektartig zusammenfassen. Folgende Inhalte und zugeordnete Themen bieten Anknüpfungspunkte:
Der Unterrichtsinhalt "Brandschutz" sollte in den Klassen 1-4 im Sinne eines Spiralcurriculums in den Sachunterricht eingebettet sein. Ich schlage deshalb folgende Verteilung vor, welche eindeutig mit den vorhandenen Inhalten verknüpft werden kann. Es findet keine Erweiterung sondern eine Umgewichtung von Rahmenplaninhalten statt.
IV. Erläuterungen zur Bedeutung verbundener Lernbereiche:Vorfachlicher Unterricht zeichnet sich durch die inhaltliche Verbindung unterschiedlicher Lernbereiche aus. Dabei steht jeweils ein Lernbereich im Zentrum, von ihm werden auf der Grundlage der inhaltlichen Struktur des Lerngegenstandes Verbindungen zu anderen Lernbereichen vorgenommen.
Konkretisierungsbeispiel: Kind und Feuer
Vernetzungen mit anderen Themenbereichen der Sachkunde:
Verbindungen zu anderen Lernbereichen: Deutsch:
Inhalte aus den Teilbereichen lassen sich thematisch mit dem "Brandschutz" verbinden, und am Inhalt Brandschutz lassen sich vielfältige Verbindungen zum Lernbereich Deutsch festmachen. Grundsätzlich sind alle Teilbereiche betroffen:
(vergl. Rahmenplan Deutsch) V. Schritte zur konkreten Umsetzung einer Erziehung zum Brandschutz:Informationen der Berliner Feuerwehr zur Brandschutzerziehung im Rahmen von zwei Fachseminaren VU mit den Lernbereichen Sachkunde / Deutsch
Vorstellung des Brandschutzkonzepts der Berliner Feuerwehr anlässlich einer Dienstbesprechung aller Fachseminarleiter VU - Sachkunde / Deutsch
Entwicklung von inhaltlichen Zielsetzungen für die Fachseminararbeit zum Thema Brandschutzerziehung in einem Forum für Fachseminarleiter VU - Sachkunde / Deutsch
Klassenstufe 1/2:
Zielsetzungen:
Klassenstufe 3/4:
Zielsetzungen:
kurzfristig erreichbare Lernziele (Stunden- und Phasenziele):
Besuch einer Feuerwache im Rahmen eines Ergänzungskurses:
Autor: M. Oesterreich M. Oesterreich |
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