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Nomex-Schutzkleidung
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Durch die zunehmende Verwendung von Kunstoffen in den Baustoffen und Wohnungseinrichtungen und der damit verbundenen Veränderung der Charakteristik von Bränden kam es in der Bundesrepublik Mitte der 90er Jahre zu einer Häufung von Dienstunfällen bei der Brandbekämpfung. All diese Dienstunfälle zeigten die Notwendigkeit für den Wechsel auf eine Schutzkleidung, die dem Stand der Technik entsprach.

 

 

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Dienstunfälle durch mangelhafte Schutzkleidung in Deutschland

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Bereits im August 1984 trat in Rheinland-Pfalz eine als bundeseinheitlich gedachte Herstellungsvorschrift für Feuerwehrschutzkleidung in Kraft. Die Berliner Feuerwehr lehnte sich im Rahmen erforderlich gewordener Ersatzbeschaffungen seit Januar 1985 mit einer eigenen Herstellungsvorschrift stark an die rheinland-pfälzischen Vorschriften an.

 

Nomex Testreihe Bild 1

Die Ausstattung der Berufsfeuerwehr im ehemaligen Ostteil der Stadt hatte im November 1992 das vorläufige Soll erreicht. Seit Januar 1992 wurde parallel ein Trageversuch mit Einsatzkleidung aus Aramid-Gewebe auf den Feuerwachen Pankow und Schillerpark durchgeführt. Als Ergebnis wurde Mitte 1993 ein Wechsel des Materials von Kammgarntrikot zu Nomex® favorisiert. An der Überjacke aus Leder wurde aber weiterhin festgehalten.Schon im Verlauf der Interschutz 1994 informieren sich Mitglieder der Bekleidungskommission und des Personalrates über neue Materialien für die Herstellung von Schutzkleidung. Im Mittelpunkt standen unter anderen Gewebe aus Synthetikfasern (z.B. Nomex® und Kermel®) statt Leder. Neue Thermobarrieren und verschiedene Nässesperren boten im Zusammenhang mit der EN 469 mehr Sicherheit.

 

 

 

 

 

 

 

Im Juni 1994 wurde zunächst die Feuerwache Suarez mit sieben neuen Schutzanzügen der Berufsfeuerwehr Göteborg (Schweden) und anschließend bis September 1994 drei weitere Testwachen ausgestattet. Damit begann ein umfassender Trageversuch bei der Berliner Feuerwehr.

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Testreihen bei Übungsfeuern auf dem Berliner Flughäfen

Nomex Testreihe Bild 2

Bei einem Übungsfeuer auf dem Flughafen Berlin-Tegel im August 1994 bewiesen die neuen Schutzanzüge zum ersten Mal ihre Sicherheitsreserven. Vier Einsatzkräfte wurden von dem Feuer kurzzeitig eingeschlossen, ihre Schutzanzüge dabei zerstört - aber alle vier blieben unverletzt.

Die Teilnahme an Übungsfeuern auf den Berliner Flughäfen war nur Dank der freundlichen Genehmigung der Berliner Flughafengesellschaften möglich und wurden aus Umweltschutzgründen mit dem Einsatztraining der jeweiligen Flughafenfeuerwehren verbunden. Probanden waren Einsatzkräfte der Berliner Berufsfeuerwehr, die über Erfahrung im Umgang mit der neuen Schutzkleidung verfügten. Bei diesen Versuchen wurden jeweils zwischen 3000 und 5000 Liter Kerosin auf einem angefüllten Wasserpolster (Brandoberflächenvergößerung) mit einer Fläche von 200 m² bis 1.200 m² entzündet. Nach einer Vorbrandzeit von zwei Minuten wurde mit zwei Trupps entgegen der Windrichtung (maximale Wärmestrahlung!) an die brennende Flüssigkeitsgrenze herangegangen. Ziel dieser Testreihe war es, die Wärmedämmung der neuen Schutzkleidung und die Kompatibilität der übrigen persönlichen Schutzausrüstung (PSA) zu testen. Für die Sicherung der einzelnen Trupps standen neben Kollegen der Flughafenfeuerwehren, ausgerüstet mit Hitzeschutzanzügen, jeweils auch zwei Flughafenlöschfahrzeuge und ein Rettungswagen in Bereitstellung.

 

 

 

 

 

 

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Testreihen im Brandhaus der Berufsfeuerwehr Aachen

Nomex Testreihe Bild 3

Bei den Versuchen im Brandhaus der BF Aachen sollten keine Aussagen für Hochrisikoeinsätze getroffen werden, vielmehr bezogen sie sich auf Brandeinsätze der Feuerwehr in geschlossenen Gebäuden und den damit verbundenen Aktivitäten, wo Risiken durch Flammen und Hitze vorliegen. Probanden waren hier Einsatzkräfte der Berliner Berufsfeuerwehr, die über unterschiedliche Erfahrung im Umgang mit der neuen Schutzkleidung verfügten.

Eine Aufgabe der Testpersonen war es, die ihnen bereitgestellte Schutzkleidung bei steigenden Brandraumtemperaturen, mehrmaligen Löschwassergaben und körperlicher Bewegung (Einsatzsimulation) auf ihr physisches Wohlbefinden sowie Trageeigenschaft zu achten und dies anschließend zu berichten. Dabei sollten die Beteiligten nach Möglichkeit bis an die Grenzen ihrer individuellen Belastbarkeit gehen. Über den Lagenaufbau der zu testenden Schutzkleidungen (Dichte, Materialien, Anzahl und Anordnung der einzelnen Schichten, sowie das Vorhandensein bzw. die Beschaffenheit einer Nässesperre) hatten die Testpersonen keine Informationen. Im Brandhaus bestand für die Trupps zudem die Möglichkeit, je nach Situation und Befinden vor Ort, durch einen selbstauszulösenden Flash-over die vorgegebenen Bedingungen zu verschärfen.

Ziel der ersten Testreihe war die Klärung des konstruktiven Aufbaues (mit oder ohne Nässeschutz, sowie die Ermittlung notwendiger Flächengewichte und die Festlegung der Anzahl der zu verwendenden Schichten) und die Klärung der Frage eines möglichen Wärmestaus.

 

 

In einer zweiten Versuchsreihe sollten die Ergebnisse der ersten überprüft und zusätzlich noch konfektionelle Fragen geklärt werden. Dazu wurden weitestgehend gleichwertige Modelle unterschiedlicher Hersteller von den beteiligten Feuerwehrleuten getestet.

Während bei den ersten Versuchen die Raumtemperatur zwischen 200°C und 310°C und in unmittelbarer Flammennähe deutlich darüber lag, erreichte die Raumtemperatur beim letzten Versuch "nur" ca. 120-210°C. Im letzten Versuch wurde, im Gegensatz zu den ersten Doppeltrageversuchen, auf einen Löschangriff verzichtet. Ein solcher Löschangriff wurde ansonsten alle drei Minuten durchgeführt, um einerseits die Raumtemperatur sowie den bei Löschangriffen entstehenden erhöhten Löschwasserdampfdruck zu simulieren und andererseits die Brandanlage vor einem vorzeitigen Abschalten (auf Grund der Überhitzung der Thermosensoren, Sicherheitsschaltung) zu bewahren. Durch stetiges Treppensteigen und physische Übungen sollte dafür beim letzten Durchgang der Kreislauf angeregt werden, damit die Körperkerntemperatur ansteigt und es zu einer relativen schnellen und starken Schweißbildung kommt. Bei jedem dieser Versuche wurden zwei unterschiedliche Schutzkleidungsmodelle getestet. Um eine besonders gute Schweißabsonderung über die Haut zu erreichen wurden die getesteten Schutzkleidungen hier in Verbindung mit reiner Thermounterwäsche getragen. Verwendet wurden Wäsche aus Kermel und Wäsche mit einer Funktionsfaser auf Polyesterbasis.

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Nomex Schutzkleidung mit Atemschutz von vorneNomex Schutzkleidung mit Atemschutz von hinten

Trageversuche in der Atemschutzübungsstrecke

Bei diesen Testreihen in der LFS Berlin wurden innerhalb des Übungsdienstes mehrere Durchgänge in einer zu Schulungszwecken selbstgebauten, mit zahlreichen Hindernissen gespickten Übungsanlage ausgeführt. Probanden waren auch diesmal Einsatzkräfte der Berliner Berufsfeuerwehr, die über differente Routine im Umgang mit der neuen Schutzkleidung und differierende Einsatzerfahrungen verfügten. Ihre Aufgabe bestand im Wesentlichen darin, unter Atemschutz und der Ausnutzung des Atemluftvorrates die Strecke zu bewältigen, und somit die Schutzkleidung einer mechanisch, realistischen Einsatzbeanspruchung zu unterziehen. Ziel dieser Testreihe war die abschließende Klärung von konfektionierenden Ingredienzien.

Nach all diesen Test und zahllosen Informationsgesprächen konnten folgende Anforderungen an die neue Schutzkleidung gestellt werden:

Die Schutzkleidung muß die allgemeinen nationalen und internationalen Anforderungen für Feuerwehrschutzkleidung erfüllen (EN 469, Richtl. 89/686/EWG)
Auch bei ständiger großer Hitze (250°C über 5 min.) und einer direkten Flammeneinwirkung (800°C über 10 sek.) dürfen keine schwerwiegenden Verletzungen auftreten. Der Materialverbund darf nur eine geringe Wärmeleitfähigkeit aufweisen.
Alle Materiallagen dürfen nicht unmittelbar brennbar sein, mehr als 5% schrumpfen oder schmelzen bzw. abtropfen.
Der Materialverbund soll den Träger auch bei extremen Minustemperaturen (bis -20°C) noch ausreichend gegen Unterkühlung schützen.
Schutz vor Verätzungen durch alle gängigen Säuren und Laugen bei allen denkbaren Konzentrationen und kurzzeitiger Einwirkung.
Bewirkt ein trockenes, angenehmes Gefühl und beugt einem klammen und unterkühlten Körper vor. Gleichzeitig Vorbeugung gegen ein Verletzungsrisiko durch Verbrühungen (Heißwasserdampfbildung bei Löschangriff).
Eine gute Belüftung der Schutzkleidung erhöht deren Tragekomfort und verhindert eine feuchte Körperhautoberfläche durch Schweißbildung. Alle verwendeten Gewebelagen müssen körperschweißdampfdurchlässig sein (keine Verbrühungsgefahr durch Feuchtigkeitsstau).
Der Schutz vor Eindringen von Staub, Schadstoffpartikel und Wind (Kälte) muß weitestgehend gewährleistet sein.
Der Gewebeverbund soll dauerhaft gegen elektrostatische Aufladung geschützt werden, um einen verbesserten Grundschutz in explosionsgefährdeter Umgebung zu erreichen.
Eine deutliche Verminderung des Verletzungsrisikos, insbesondere im Knie-, Ellenbogen- und Unterarmbereich soll zur erhöhten Arbeitssicherheit bei der Durchführung der Brandbekämpfung und der technischen Hilfeleistung führen.
Eine retroreflektierende Rückenbeschriftung sowie Signalapplikationen aus gelben und silbernen Reflexmaterial sollen die Warnwirkung der Schutzkleidung gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern erhöhen. (Reflexmaterial darf aufgrund seines spezifischen Brennverhaltens nicht bis zur inneren Materiallage durchgeführt sein.)
Die angestrebte Bekleidung soll mehrlagig sein. Die dabei verwendeten Materiallagen müssen untrennbar miteinander verbunden sein. Ein Einsatz der Schutzkleidung mit verminderter Schutzeigenschaft darf nicht möglich sein.
- 1. Lage - Aramidgewebe (Nomex III) min. 265 gr/m² flammhemmendes bzw. schwer entflammbares Material als Flammschutz - 2. Lage - PTFE-Gewebe mit PUR-Feinstrich (Goretex) als Liner Nässesperre zur Verhinderung des Eindringens von Wasser (Regen) und Chemikalien. - 3. Lage - Thermoisolationsschicht aus Aramidwatte (Nomex) min. 220 gr/m² Thermobarriere zur Isolation für den Träger - 4. Lage - Aramid Rip-Stop (Nomex III) min. 110 gr/m² Innenfutter und Notsicherung, ebenfalls flammhemmend oder schwer entflammbar
Alle Nähte müssen mit schwer entflammbaren Garnen, die die gleiche Beschaffenheit wie die äußere Schicht haben sollten, ausgeführt sein. Desgleichen sollen alle Taschen aufgesetzt werden, um keine Eintrittsöffnungen durch das Obergewebe zu schaffen.
Wird das NOMEX Gewebe einer Hitzeeinwirkung durch Beflammung ( ca. >250°Celsius ) ausgesetzt, verändert sich die eigentliche Grundfarbe in einen Ockerton. Die spezifischen Materialeigenschaften bleiben aber so lange erhalten, wie der Stoff weich und unbeschädigt ist (siehe Foto bei der Übung am Flughafen). Bei einer eventuellen höheren Hitzeeinwirkung (ca. >500°Celsius) bildet der Stoff eine steife Kohleschicht, die entfernt werden kann. In diesem Fall sollte das Kleidungsstück, schon aus Sicherheitsgründen, repariert oder sogar eingezogen werden.
Aufnahmeschlaufen für den FW-DIN-Gurt ermöglichen eine schnellere und einfachere Ausrüstung. Der FW-DIN-Gurt muß nicht mehr so eng wie möglich angelegt werden, dadurch wird eine verbesserte Luftzirkulation innerhalb des Bekleidungssystems erreicht. Als Nebeneffekt wird ein Herunterrutschen des Gurtes verhindert, und bei Tätigkeiten wo der Gurt nicht von Nöten ist, lässt er sich mittels der drei Klettlaschen leicht und schnell entfernen.
Ein Karabinerhaken, wahlweise rechts- oder linksseitig an der Einsatzjacke anzubringen, ermöglicht die Befestigung von FW-Schutzhandschuhen, Beleuchtungsgeräten oder anderen Ausrüstungsgegenständen.
Der Ärmelabschluss mit Daumendurchgriff schützt zusätzlich gegen mechanische und thermische Einwirkungen. Somit wird auch ein Hochrutschen des Ärmels gerade bei Überkopfarbeiten verhindert. Dadurch können Funken und Hitze nicht in den Ärmel eindringen.
Ein verstellbarer Gummizug am Beinabschluss ermöglicht eine bestmögliche Abdichtung der Hosenbeine am Stiefelschaft. Durch den eng gestellten Beinabschluß kann keine Hitze von unten (z.B. von am Boden liegenden Brandschutt) in die Hose einströmen, zusätzlich wird das Leitersteigen erleichtert, da ein Hängenbleiben am Hosensaum nicht möglich ist.
Das hintere Ärmelteil wird vom oberen Ellenbogenbereich bis zum Saum mit einem kunststoffbeschichteten Para-Aramid-Schlingengewebe (Kevlar) verstärkt. Im Knie-/ Schienbeinbereich ist eine Tasche aus einem kunststoffbeschichteten Para-Aramid-Schlingengewebe für auswechselbare Protektoren aufgesetzt, die im oberen Bereich mit einem Klettverschluß versehen ist. Als Einschub ist ein schwerentflammbares und 0,5 cm starkes Polstermaterial vorgesehen. Diese Protektoren sollen die Verletzungsgefahr (z.B. Glassplitter, scharfe Gegenstände) in Form eines Schnittschutzes und Kniepolsters vermindern bzw. ausschließen.
Dieser sogenannte Quick-Release-Reißverschluß wird erstmals in einer Schutzkleidung der Berliner Feuerwehr verwendet. Dieser Metallreißverschluß (Kunststoff kann schmelzen und verkleben) besitzt zwei unterschiedlich lange Laufbänder. Das Kürzere ist im Halsbereich mit einer Bremse (Widerstand) versehen, um ein versehentliches durchziehen der Schließzunge zu verhindern. Im eventuellen Notfall kann diese Bremse mit geringen Kraftaufwand überwunden, der Reißer geöffnet und die Einsatzjacke somit schnell abgelegt werden.
Zeitgleich mit der Beschaffung neuer Schutzkleidung wurden Handsprechfunkgeräte vom Typ FUG 10 R mit implementierten Notsignalgebern (NSG) für den A-Trupp zur Verfügung gestellt. Die Anordnung einer Funkgerätetasche wurde so gestaltet, daß die Bewegungsfreiheit - auch beim Atemschutzgeräteeinsatz - nicht oder nur unwesentlich eingeschränkt wird. Die Innentasche der Einsatzjacke ist aufgrund identischer Abmaße und spiegelbildlicher Plazierung ebenfalls dazu geeignet ein Handsprechfunkgerät aufzunehmen.