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Feuer Kohlenlager, Sachsendamm
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19.04.1960    12:54   Brand eines Kohlenlagers in Schöneberg

Adresse:  Sachsendamm 30-36

Bezirk:     Schöneberg

 

Auf einem der Bundesbahn gehörenden Gelände an der S-Bahnstrecke zwischen den Bahnhöfen Papestraße und Priesterweg war von der Arbeitsgemeinschaft Kohle ein Braunkohlenbrikett-Vorratslager eingerichtet worden. Auf Grund der besonderen wirtschaftlichen Situation Berlins wurden die Lagermengen ständig vergrößert. Zuletzt lagerten dort 56.000 t Preßkohlen in Stapeln zu je etwa 1.000 t im Freien.

 

Am Brandausbruchstage, einem sommerlichen Tag mit +22 °C Mittagstemperatur und sehr niedriger Luftfeuchte, gerieten an dem unmittelbar angrenzenden Bahndamm aus noch ungeklärter Ursache etwa 15.000 qm Grasnarbe in Brand. Langstieliges trockenes Unkraut gab dem Feuer reichliche Nahrung und die Flammen erfaßten, begünstigt durch die Windrichtung (Ostwind, Stärke 4) an mehreren Kohlenstapeln die Schilfmatten, die als Wetterschutz über die Stapel gelegt waren.

Beim Eintreffen der Feuerwehr auf der Brandstelle hatte das Feuer in 13 Stapeln schon die Kohlen selbst erfaßt. Die verwitterten Außenschichten der Kohlenstapel boten den Flammen gute Angriffsflächen, und das Feuer drang teilweise bis in die Mitte der Stapel ein. Die Flächen der brennenden Kohlenstapel, die am Bahndamm auf der Luvseite des Windes lagen, glichen wegen des viel zu geringen Abstandes, den die Kohlenstapel untereinander hatten, einer einzigen glühenden Wand von etwa 200 m Länge und 3 m Höhe. Durch die Wärmestrahlung gerieten ein Teil der Schwellen des Gleiskörpers und teilweise auch die Abdeckung der Stromschiene in Brand. Für kurze Zeit bestand die Gefahr, daß der Wind das Feuer auch in die an den Kohlenlagerplatz angrenzende Laubenkolonie tragen würde.

 

Die Bekämpfung dieses Brandes beanspruchte die Einsatzkräfte der Berliner Feuerwehr in außergewöhnlicher Weise. Um eine weitere Ausdehnung des Brandes zu verhindern und seine wirksame Bekämpfung einzuleiten, mußte vom Leitenden 10. Alarm gegeben werden. Der auf dem Gelände des Kohlenlagerplatzes gelegene Hydrant auf einem privaten Stichrohr kleinsten Querschnitts konnte die benötigte Menge Löschwasser nicht liefern. Mit Tanklöschfahrzeugen wurde ein Pendeleinsatz organisiert und weitere 3 Löschzüge und 1 Schlauchwagen zum Aufbau der Löschwasserversorgung über lange Strecke zur Brandstelle beordert. Die hierbei zu überwindenden Entfernungen betrugen vom Sachsendamm her etwa 700 m und vom Priesterweg her 400 m. Nachdem die Löschwasserversorgung der Brandstelle von 2 Seiten sichergestellt war, bekämpf, die Löschtrupps den Brand in umfassendem Angriff mit 32 C-Strahlrohre. Die Gefahr einer weiteren Ausdehnung des Brandes war damit gebannt.

An den folgenden Tagen wurde mit dem weiter fortschreitenden Eindämmen des Brandes die Anzahl der C-Strahlrohre verringert und die zur Wasserversorgung über die lange Strecke verlegten B-Schläuche durch eine Leitung aus Schnellkupplungsrohren ersetzt.

Zur Unterstützung der Feuerwehr bei den Löscharbeiten wurden am 19. und 21. April 1960 von der Bereitschaftspolizei 80 Mann angefordert und von der Feuerwehr eingesetzt.

Um an die Brandnester in einzelnen Kohlenstapeln schnell heranzukommen wurde von einer Privatfirma ein auf Ketten laufender Bagger gemietet der Schneisen in die Kohlenstapel grub.

Auf die Bitte der Berliner Feuerwehr unterstützte die amerikanische Ingenieur-Division in Berlin die Arbeit auf der Brandstelle zuerst mit 2 Kettenkränen und 3 Lastwagen (Kippern), danach mit 2 Planierraupen einschließlich des Bedienungspersonals. Von den Planierraupen wurden die brennenden und zum Teil ineinander gefallenen Kohlenstapel abgetragen, damit die glühenden Kohlen in den einzelnen Stapeln vom Löschwasser erfaßt werden konnten. Am Abend des 25. April konnten die Löscharbeiten als abgeschlossen gelten.

Als Brandwache und zum Ablöschen der sich immer wieder neu entwickelnden kleinen Brandnester mußten noch mehrere Monate hindurch ständig 1-2 Löschgruppen eingesetzt werden. Erst am 6.12.1960 nach 232 Tagen konnte die Tätigkeit der Feuerwehr an dieser Brandstelle endgültig abgeschlossen werden.

Brandschaden: etwa 1.000.000 DM.

 

Brennender Kohlelagerplatz
Brennender Kohlelagerplatz