Hinweise zu brennbaren Flüssigkeiten

Lagerung von entzündlichen/entzündbaren Flüssigkeiten

Der Umgang mit Gefahrstoffen, zu denen auch die entzündlichen bzw. entzündbaren Flüssigkeiten gehören, wird durch die Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) und die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) geregelt. Dabei dürfen Gefahrstoffe nur an geeigneten Orten gelagert werden, so dass sie keine Beschäftigten sowie andere Personen in ihrer Gesundheit und Sicherheit gefährden können. Die Lagerung von Gefahrstoffen richtet sich vor allem nach der Art und Menge des Gefahrstoffes und wird u.a. in der technischen Regel TRGS 510 „ Lagerung von Gefahrstoffen in ortsbeweglichen Behältern“ für die passive Gefahrstofflagerung (d.h. ohne Um- oder Abfüllen) präzisiert. So dürfen grundsätzlich Gefahrstoffe nicht an Orten wie

  • Verkehrswegen, dazu zählen Treppenräume, Flure, Flucht- und Rettungswege, Durchgänge, Durchfahrten und enge Höfe
  • Pausen-, Bereitschafts-, Sanitär-, Sanitätsräume oder Tagesunterkünfte gelagert werden.

In Arbeitsräumen dürfen Gefahrstoffe nur gelagert werden, wenn die Lagerung mit dem Schutz der Beschäftigten vereinbar ist und in besonderen Einrichtungen erfolgt, die dem Stand der Technik entsprechen (Nr. 4 TRGS 510). Dies gilt auch für die Lagerung von entzündlichen/entzündbaren Flüssigkeiten. Näheres dazu unter den Abschnitten 4 und 5.

Einstufung entzündlichen/entzündbaren Flüssigkeiten

„Brennbare Flüssigkeiten“ werden zum einen nach der Gefahrstoffverordnung in entzündliche, leichtentzündliche oder hochentzündliche Flüssigkeiten (§ 3 GefStoffV i.V.m. Anhang VI der Richtlinie 67/548/EWG) und zum anderen nach der GHS/CLP- Regelung in entzündbare, leicht entzündbare und extrem entzündbare Flüssigkeiten (EG Nr. 1272/2008) eingestuft. Dabei erfolgt die Einstufung der brennbaren Flüssigkeiten nach dem Flammpunkt der Flüssigkeit.

Einteilung der entzündlichen Flüssigkeiten nach der GefStoffV

Tabelle 1: Einteilung der brennbaren Flüssigkeiten nach der Gefahrstoffverordnung

Einteilung der entzündbaren Flüssigkeiten nach GHS/CLP- Verordnung

Tabelle 2: Einteilung der entzündbaren Flüssigkeiten nach GHS/CLP- Verordnung

Vergleich der Einstufungskriterien nach GefStoffV und GHS/ CLP

Der Flammpunkt z.B. für Diesel und leichte Heizöle ist nach der CLP-Verordnung gesondert geregelt. Sie können einen Flammpunkt zwischen 55 °C und 75 °C haben (Anhang I Tabelle Nr. 2.6.1 Richtlinie 1272/2008/EG).

Neue Kennzeichnung von entzündlichen/entzündbaren Flüssigkeiten

Am 20.01.2009 trat die EG-Verordnung zur Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen (CLP-Verordnung) in Kraft. Diese basiert auf der Empfehlung der UN, dem sogenannten „Global Harmonisierten System“ (UN- GHS). Demnach müssen Stoffe ab 01.12.2010 und Gemische ab 01.06.2015 nach CLP eingestuft und gekennzeichnet werden. Die entzündlichen/entzündbaren Flüssigkeiten werden nach CLP mit dem Gefahrenpiktogramm „Flamme“ (weißes auf der Spitze stehendes Quadrat mit roten Rand und Flammensymbol) gekennzeichnet.

Bis zum 01.06.2015 können Gefahrstoffe sowohl nach der Gefahrstoffverordnung als auch nach der CLP- Verordnung gekennzeichnet werden. Zulässig ist jedoch nur die Kennzeichnung nach einer der genannten Vorschriften. Sicherheitsdatenblätter müssen dagegen bis zum 01.06.2015 die Einstufungen nach der GefStoffV und der CLP-Verordnung enthalten.

Zulässige Lagermengen von entzündlichen/entzündbaren Flüssigkeiten

Die zulässigen Lagerungsmengen entzündlicher, leichtentzündlicher oder hochentzündlicher bzw. entzündbarer, leichtentzündbarer und extrem entzündbarer Flüssigkeiten können Sie der folgenden Tabelle entnehmen:

Werden entzündliche Flüssigkeiten zusammen mit leicht- oder hochentzündlichen Flüssigkeiten gelagert, so sind zur Ermittlung der Gesamtlagermenge nach obiger Tabelle fünf Liter entzündliche Flüssigkeit einem Liter hoch- bzw. leichtentzündliche Flüssigkeit gleichzusetzen. Die entsprechend ermittelten Lagermengen der hoch- bzw. leichtentzündbaren Flüssigkeit sind hinzuzurechnen.

Zu beachten ist jedoch, dass die Lagerung von entzündlichen/entzündbaren Flüssigkeiten nicht in

  1. Wohnungen,
  2. Räumen, die mit Wohnungen in unmittelbarer, nicht feuerbeständig abschließbarer Verbindung stehen, sowie
  3. in zerbrechlichen Gefäßen in Kellern von Wohnhäusern.

     

zulässig ist.

Lagerung von Heizöl/ Diesel

Bei der Lagerung von Heizöl in Wohnungen zu Heizzwecken ist die Feuerungsverordnung (FeuVO) Fassung vom 31.01.2006 (GVBl. S. 468 vom 28.11.2008), insbesondere §§ 11 und 12, zu beachten:

Bei der Brennstofflagerung außerhalb von Brennstofflagerräumen dürfen in Wohnungen Heizöl in einem Behälter bis zu 100 l gelagert werden. Aus Gründen des Brandschutzes empfehlen wir diese Lagermengen nicht auszuschöpfen, sondern auf den Tagesbedarf zu beschränken.

In Räumen außerhalb von Wohnungen dürfen bis zu 1.000 l und unter bestimmten Bedingungen bzw. in Einfamilienhäusern max. 5.000 l gelagert werden.

Ansonsten dürfen mehr als 5.000 l Heizöl nur in ausgewiesenen Brennstofflagerräumen (maximal 100.000 l in Behältern) gelagert werden.

Heizöl/Diesel wird bis zum 01.06.2015 entweder mit den Gefahrstoffpiktogrammen nach der GefStoffV oder nach der CLP- Verordnung gekennzeichnet. In den Sicherheitsdatenblättern müssen jedoch beide Kenzeichnungen in der Übergangsfrist enthalten sein. Folgende Gefahrstoffpiktogramme kommen zur Anwendung:

Hinweise für den Umgang mit Gefahrstoffen

Die Gefährdung von Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten sowie anderer Personen und der Umwelt vor stoffbedingten Schädigungen bei der Lagerung von Gefahrstoffen ist durch folgende Maßnahmen zu beseitigen oder auf ein Minimum zu reduzieren:

  1. Gestaltung des Lagers und der Lagereinrichtungen,
  2. Organisation der Arbeitsabläufe
  3. Bereitstellung geeigneter Arbeitsmittel für Tätigkeiten, die mit der Lagerung von Gefahrstoffen in Zusammenhang stehen,
  4. Begrenzung der Dauer und des Ausmaßes der Exposition,
  5. Angemessene Hygienemaßnahmen, insbesondere regelmäßige Reinigung,
  6. Vermeidung des unbeabsichtigten Freisetzens von Gefahrstoffen,
  7. Bereithaltung von Mitteln zur Gefahrenabwehr. 

     

Anforderungen an den baulichen Brandschutz regelt die Gefahrstoffverordnung, die TRGS 510, Bauordnung von Berlin und die Arbeitsstättenverordnung. Dabei ist nach Art und Umfang im Einzelnen nach den örtlichen und betrieblichen Verhältnissen der bauliche Brandschutz festzulegen. Insbesondere dann, wenn Gefahrstoffe in gefahrdrohenden Mengen gelagert werden. Eine gefahrdrohende Menge liegt vor, wenn aufgrund der Menge, der Art des Vorliegens (z.B. Aggregatzustand, Größe der Oberfläche, Temperatur), der Stoffeigenschaft und der Umgebung des betrachteten Systems eine Brandgefährdung besteht, die zusätzliche Maßnahmen zum Schutz von Beschäftigten oder anderen Personen und der Umwelt erforderlich macht. Grundsätzlich sind bauliche Anlagen so anzuordnen, zu errichten, zu ändern und zu unterhalten, dass der Entstehung und Ausbreitung von Feuer und Rauch vorgebeugt wird und bei einem Brand die Rettung von Menschen und Tieren und wirksame Löscharbeiten möglich sind.

Unterstützung in Fragen zum betrieblichen Brandschutz erhält der Arbeitgeber durch die Bestellung eines Brandschutzbeauftragten. Die Bestellung ist nicht zwingend erforderlich, sie muss jedoch dann erfolgen, wenn es baurechtlich gefordert wird.

Für den betrieblichen Umgang mit Gefahrstoffen, dazu gehören auch die entzündlichen/entzündbaren Flüssigkeiten, hat der Arbeitgeber eine Gefährdungsbeurteilung zu erstellen. Darin werden die Gefährdungen durch Gefahrstoffe erfasst, bewertet und geeignete Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten umgesetzt. Ergibt sich aus der Gefährdungsbeurteilung eine Explosionsgefahr durch Gefahrstoffe, so ist nach Maßgabe der Bestimmungen der BetrSichV in der Gefährdungsbeurteilung auch die Bildung explosionsfähiger Atmosphäre zu ermitteln, explosionsgefährdete Bereiche in Zonen einzuteilen, Schutzmaßnahmen festzulegen und ein Explosionsschutzdokument zu erstellen.

Die BetrSichV erfasst u.a. auch Lageranlagen für leicht- und hochentzündlichen Flüssigkeiten mit einem Gesamtrauminhalt von mehr als 10.000 l, die einer Erlaubnis der zuständigen Behörde bedürfen.