30. Juni 2015 - Einsatz

Brand in Neuköllner Pflegeheim

In einem Pflegeheim mit 110 Bewohnern, viele davon bettlägerig, kam es kurz nach 22 Uhr im vierten Obergeschoss zu einem Zimmerbrand. Das Feuer breitete sich schon nach kurzer Zeit auf den Flurbereich der Etage aus. Über die Fenster kam es dann zu einer Brandausbreitung in den Dachbereich des Altbaus.

Auf die ersten eingehenden Notrufe wurden die Kräfte der Feuerwachen Neukölln, Kreuzberg und Urban, sowie der C-Dienst aus Schöneberg bestimmungsgemäß zum Stichwort Brand 3 BMA (Brandmeldeanlage) alarmiert. Nach der ersten Erkundung und der bestätigten Feuermeldung wurde kurze Zeit später auf Brand 6 + MANV nachalarmiert. Die Holzkonstruktion des Dachstuhls mit weicher Dachhaut bot den Flammen reichlich Nahrung uns so stand schon bald der gesamte Dachstuhl des Hinterhauses und der beiden angrenzenden Seitenflügel in Flammen.

104 Personen in Sicherheit gebracht

Im Innenhof des Pflegeheims war die Wärmestrahlung ebenfalls stark spürbar. Das erschwerte die parallel eingeleitete Rettung der Patienten aus den gefährdeten Bereichen zusätzlich. Das flüssige Bitumen der Dachhaut regnete in Mengen an der Fassade hinunter. Der Transport von liegenden Patienten aus dem Gebäude unter schwerem Atemschutz erforderte einen hohen Kräfteansatz, so dass durch den zwischenzeitlich eingetroffenen B-Dienst der Einsatz auf Brand 14 erhöht wurde. Da ein Massenanfall von Verletzten (MANV) wahrscheinlich war, wurden weitere Einsatzmittel des Rettungsdienstes geordert. Auf der Sonnenallee wurde mit Mitteln des Gerätewagen Sanität eine Patientenablage eingerichtet. Die unverletzten Bewohner konnten aufgrund der milden Temperaturen durch Kräfte des Rettungsdienstes und der Polizei auf dem Gehweg vor einem Café betreut werden. Für den Transport der geretteten Bewohner in die nahegelegene Rütli-Schule und die Betreuung dort wurden eine SEG Betreuung und eine SEG Transport alarmiert. Die Polizei unterstützte diese Maßnahmen mit Kräften der Bereitschaftspolizei. Von den 104 geretteten Personen mussten glücklicherweise nur vier mit Verdacht auch eine Rauchgasintoxikation in Krankenhäuser transportiert werden.

Erschwerte Brandbekämpfung

Die Wärmestrahlung des Feuers führte zu Folgebränden in den benachbarten Innenhöfen und bedrohte akut die anliegenden ausgebauten Dachgeschosswohnungen in der Jansastraße und der Tellstraße.
Der Brand des Flures und des Zimmers in der vierten Etage konnten im Innenangriff gelöscht werden. Für den Bewohner des Zimmers kam jedoch jede Hilfe zu spät. Er konnte nur noch tot geborgen werden. Fehlende Zugangsmöglichkeiten zum Dachbereich machten einen Innenangriff im Dachgeschoss unmöglich. Letztendlich konnte der Dachstuhlbrand nur von außen und von den benachbarten Dächern aus bekämpft werden. Hierfür wurden fünf C-Rohre und einem Werfer einer DLK eingesetzt. Landesbranddirektor Wilfried Gräfling übernahm kurz vor Mitternacht die Einsatzleitung persönlich. Die Folgebrände in den Innenhöfen wurden gelöscht und die von den Flammen bedrohten Dachgeschoßwohnungen geschützt. 50 Pressluftatmer kamen zu Einsatz.

Struktur + Engagement = Erfolg

Die aufgebaute Führungsorganisation, die Bildung von Einsatzabschnitten und das unermüdliche Engagement der Einsatzkräfte und der Pflegekräfte der Einrichtung führten in dieser Nacht dazu, dass so viele Menschen gerettet werden konnten und die Verletztenzahl verhältnismäßig klein blieb. Drei Polizisten und zwei Feuerwehrmänner wurden im Laufe des Einsatzes rettungsdienstlich versorgt und in Krankenhäuser gefahren.

Auch die Vorsorgemaßnahmen des anlagetechnischen, organisatorischen und baulichen vorbeugenden Brandschutzes waren Voraussetzungen für den relativ glimpflichen Ausgang dieses Großbrandes. Die gute Zusammenarbeit von Feuerwehr, Polizei, Hilfsorganisationen, Bezirksamt Neukölln und dem Betreiber des Pflegeheims sorgte in allen Phasen des Einsatzes für einen zielorientierten Ablauf.

THOMAS KIRSTEIN
Dir S 2

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