13. September 2016 - Menschen

Neue Vertreter des Landesbeauftragten der Freiwilligen Feuerwehr in der Direktion West

Rund 1500 Frauen und Männer in den Freiwilligen Feuerwehren – da ist schon einiges an Aufwand in der Betreuung der Themen nötig. Mittlerweile hat es der Landesbeauftragte der Freiwilligen Feuerwehren bis in das Feuerwehrgesetz geschafft, wo die Aufgaben seit der Neufassung 2016 niedergelegt sind.

Da die Arbeit für den Landesbeauftragten und seinen Vertreter trotzdem noch zu umfangreich wäre gibt es in den Direktionen jeweils einen Ständigen Vertreter und einen Vertreter des Ständigen Vertreters. Neben der Betreuung der Freiwilligen Feuerwehren haben alle Mitglieder dieses Gremiums auch noch sachgebietsbezogene Aufgaben.

Nachdem die bisherigen Amtsinhaber in der Direktion West Anfang Januar 2016 von ihren Ämtern zurückgetreten sind, gibt es seit Ende März 2016 ernannte Nachfolger, die wir hier vorstellen möchten.

v.l.n.r. : Manuel Mahnke, Lutz Großmann, Stephan Senftleben

Ständiger Vertreter des LB FF in der Direktion West – LB FF W, Sachgebiet Leitstelle
Stephan Senftleben, Jahrgang 1971, FF Wedding

Vertreter des Ständigen Vertreters des LB FF in der Direktion West – LB FF W-V, Sachgebiet Aus- und Fortbildung
Manuel Mahnke, Jahrgang 1981, FF Wedding

Zuerst und indiskret – wie sieht es bei euch privat aus?

[SteSe] Nachdem ich 21 Jahre als Chemielaborant gearbeitet habe, konnte ich 2011 durch meinen firmeninternen Wechsel zur Werkfeuerwehr von Bayer meine berufliche naturwissenschaftliche Ausbildung mit dem Feuerwehrwissen verknüpfen. Bei der Werkfeuerwehr bin ich inzwischen für die Einsatzplanung, den organisatorischen Brandschutz und die Leitung der nebenberuflichen WF zuständig. Vor fast 2 Jahren habe ich meinen „Aufstieg“ in den gehobenen Dienst gemacht und die B4-Ausbildung in Eisenhüttenstadt absolviert. Ich bin verheiratet und wohne mit Frau und unseren drei Kindern in Frohnau.

[Manu] Ich bin ein richtiges „Ruhrpottkind“ und in der Schwerte, Hansestadt an der Ruhr geboren und zwischen Zechen und Stahlwerken in Schwerte und Dortmund groß geworden. Beruflich habe ich dann im Jahr 2000 als Gruppenführer im Zentralen Sanitätsdienst der Bundeswehr angefangen. Nach einer intensiven Laufbahnausbildung in Bad Zwischenahn in Niedersachsen und an der Sanitätsakademie in München wechselte ich dann von einer Ausbildungseinheit in Ahlen Westfalen an das Bundeswehrkrankenhaus Berlin. Nach einer Ausbildung zum Krankenpfleger absolvierte ich im Jahr 2005 meine Feldwebelausbildung (Zugführer) in München und wurde anschließend in einem Verwundetenevakuierungszug in Kladow eingesetzt. Ich blieb also in Berlin und wurde das erste Mal nach vielen Jahren wieder heimisch. Ich wechselte dann 2008 wieder ans Bundeswehrkrankenhaus, wo ich nach einer Weiterbildung zum  Psychiatriekrankenpfleger heute als Berufssoldat im Zentrum für Psychiatrie und Psychotraumatologie in der Forschung meinen Dienst versehe. Privat lebe ich mit meiner Familie und Tieren (1 Hund und 2 Hasen) im ruhigen Spandauer Forst.

Wie seid ihr in Berlin zur Feuerwehr gekommen und was habt ihr dort bisher gemacht?

[SteSe] Nachdem ich durch meinen Vater schon ziemlich früh in Kontakt mit der Feuerwehr kam und ihn oft auf seiner Wache besucht habe, fing die aktive Zeit 1985 bei der Jugendfeuerwehr Wittenau an. Highlights in dieser Zeit waren Zeltlagerfahrten, die Leistungsspange und das Arbeiten mit den anderen Wittenauern – das hat immer superviel Spaß gemacht. Mit 18 wechselte ich dann der Wohnortnähe wegen zur FF Wedding und hatte dort von Anfang an die Möglichkeit zu gestalten – zunächst bei der Gründung der Jugendfeuerwehr, später dann auch als Jugendfeuerwehrwart, danach als Wehrleiter-Vertreter und von seit 2007 als Wehrleiter. In dieser Zeit wurde mir auch die Leitung der Brandschutzbereitschaft der Direktion West übertragen.

[Manu]Schon als kleiner Junge fing ich mit 10 Jahren in der Jugendfeuerwehr mit meinem Feuerwehrhobby an. Durch die vielen beruflichen Standorte erhielt ich einen vielfältigen Einblick in die Feuerwehren in Deutschland. Meinen Wunsch bei der Feuerwehr zu bleiben, wurde ich aber auch bei den vielen Abwesenheiten nicht los. So war es also klar, auch bei der erstmal geplanten dreijährigen Ausbildung in Berlin Mitglied in einer Feuerwehr zu werden. Da ich in der Julius Leber Kaserne stationiert war, stellte ich mich also bei der Freiwilligen Feuerwehr Wedding vor. Hier habe ich dann auch wie in meiner Heimat direkt in der Jugendfeuerwehrarbeit mitgewirkt. Wurde dann von der Wehr erst zum stellv. Jugendfeuerwehrwart, später dann zum Jugendfeuerwehrwart gewählt. Dies führte ich dann auch bis 2016 mit Unterstützung eines tollen Teams mit Freude aus. 2006 habe ich dann zusätzlich das das Amt des stellvertretenden Ständigen Vertreters des Landesjugendfeuerwehrwartes in der Direktion West übernommen. In der aufregenden Zeit in Berlin habe ich dazu die Möglichkeit erhalten mich in vielen anderen Bereichen wie dem Einsatznachsorgeteam, der Führungsstaffel oder als Ausbilder an der BFRA im Bereich des Verhaltens- und Einsatztraining, ENT einbringen zu können.

Was hat euch bewogen euch für die neue Funktion zur Verfügung zu stellen?

[SteSe] Über den sachlichen Hintergrund hinaus (Viel Arbeit erfordert viele Hände, die sie erledigen.) war meine bislang sehr kritische Haltung ein wesentlicher Grund. Es schien mir an der Zeit aus der passiv-kritischen Position in eine aktiv gestaltend-kritische Position zu wechseln. In der Vergangenheit habe ich schon verschiedentlich Ausarbeitungen gemacht und war insofern zumindest mittelbar immer mal wieder aktiv. Jetzt bot sich – wenn auch unerwartet – die Möglichkeit aktiver in die Gestaltungsprozesse der FF in Berlin einzusteigen.

[Manu]Wie man schon merkt wirke ich gerne an laufenden und kreativen Prozessen mit und bringe meine Kraft und Motivation gerne in unterschiedlichen Bereichen ein. Wie beruflich die Bundeswehr ist auch die Berliner Feuerwehr als Hobby vielfältig aufgestellt und gibt mir die Möglichkeit neben meiner eigentlichen Tätigkeit auf der Feuerwache Wedding auch in anderen Bereichen etwas zu bewirken. Dies habe ich gerade im Bereich der Jugendfeuerwehr gemerkt. Unter dem Motto, dass ich nicht nur meckern und kritisieren möchte, habe ich mich in den letzten Jahren auch mit der Struktur und Veränderung der FF in Berlin beschäftigt. Gerade in den vielen Einsätzen der Flüchtlingshilfe habe ich dann gemerkt, dass es wichtig ist, die Freiwillige Feuerwehr als eine große Einheit zu sehen und hier Veränderungen aktiv anzugehen. Wie SteSe schon sagte, kam die Möglichkeit richtig aktiv ins Geschehen einzusteigen dann zwar etwas plötzlich, aber es war auch nach den ersten Eindrücken der letzten Monate eine gute Entscheidung. 

Was verändert sich eurer Meinung nach für euch durch die neue Funktion?

[SteSe] Eine wesentliche Veränderung war die Abgabe des Amtes als Wehrleiters, was nach so langer Zeit nicht ganz leichtfällt. Naturgemäß ändern sich die Themen. Für einige Themen stadtweit Verantwortung zu übernehmen, ist eine tolle Aufgabe mit großer Herausforderung, der ich sehr gespannt entgegensehe.

[Manu] Ich bin in der Jugendfeuerwehr groß geworden und habe viel Energie in die tolle Jugendarbeit der Jugendfeuerwehr Wedding und Berliner Jugendfeuerwehr gesteckt. Das neue Amt und die damit verbundenen, gerade zeitlichen, Verpflichtungen führten natürlich dazu, dass ich mein Amt als Jugendfeuerwehrwart nicht mehr weiterführen konnte. Auch mir fällt der Abschied hier nicht ganz leicht. Aber die neue Aufgabe und damit verbundene Herausforderung ist ein neuer Abschnitt in der Feuerwehr, den ich sehr gerne mit Leben fülle.

Was ist das wichtigste Ziel für euch?

[SteSe] Ganz klar: Kommunikation und Einigkeit. Hier zeigte sich in der Vergangenheit, dass mitunter zu wenig, nicht mit den richten Ansprechpartnern oder in der falschen Tonlage gesprochen oder geschrieben wurde. Nicht alle Wünsche der FF werden erfüllbar sein, aber wir wollen unseren Beitrag leisten, dass die Freiwilligen Feuerwehren als wichtiger Bestandteil der Berliner Feuerwehr und unverzichtbarer Partner wahrgenommen und eingebunden werden – immer natürlich im Gesamtkontext gesehen und ohne die Berufsfeuerwehr zu benachteiligen. Unabhängig von der Organisationsstruktur – es gibt DIE Berliner Feuerwehr.

[Manu] Obwohl ich bereits schon seit nunmehr 14 Jahren in Berlin lebe und die Feuerwehr erlebe möchte ich weiter an dem Gedanken arbeiten irgendwann eine gemeinsame Berliner Feuerwehr zu sehen. In vielen Bereichen ist noch eine Trennung zu spüren, die die meisten von uns gar nicht mehr richtig erlebten. An diesen Stellen wünsche ich mir persönlich, dass wir im regulären Dienstalltag genauso motiviert am gleichen Ziel arbeiten, wie ich es oft an großen Einsatzstellen erleben darf. Eine entsprechend gleichberechtigte Kommunikation auf den vielen Ebenen, die die Behörde bietet, ist sicher ausbaufähig. Ich bin Realist und weiß, dass das nicht von heute auf  Morgen erledigt ist - aber mein Ziel bleibt: Die Freiwillige Feuerwehr ist ein unersetzbarer und wichtiger Bestandteil der Berliner Feuerwehr. In dieser Position dürfen wir fordern, aber auch gefordert werden. Am Ende schaffen wir es nur zusammen und Gemeinsamkeit ist keine Einbahnstraße...

Das Interview führte Sebastian Rak vom Team LB FF

Die Kommentarfunktion ist für diesen Artikel deaktiviert.

0 Kommentare