28. Juni 2016 - Menschen

Praxissemester bei der Berliner Feuerwehr – ein Bericht

Das bin ich - eine kurze Vorstellung

Mein Name ist Sebastian Rieck und ich studiere in Hamburg Rettungsingenieurwesen bzw. Rescue Engineering an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW). Ehrenamtlich bin ich bei der Feuerwehr Hamburg aktiv. Zum Studium gehört es, dass jeder Studierende ein Praxissemester während des Studiums absolviert. Ich habe mich bei der Berliner Feuerwehr beworben und mich sehr gefreut, hier die Zusage zu erhalten.

Was macht man so im Praktikum? Für Interessierte hier ein kurzer Überblick über meine Aufgaben und Erlebnisse aus diesen sechs Monaten.

Im Zeitraum vom September 2015 bis März 2016 habe ich mein praktisches Studiensemester bei der Hauptstadtfeuerwehr absolviert. Während meines Praxissemesters war ich der Berliner Feuerwehr- und Rettungsdienst-Akademie (BFRA) zugeordnet.

Meine Aufgaben wurden hauptsächlich im Team bearbeitet. Dieses bestand aus meinem Praxisanleiter von der BFRA Herrn Dr. Erbe und Tobias Menkhoff einem weiteren Studenten von der Technischen Hochschule (TH) Köln, der ebenfalls Rettungsingenieurwesen studiert. Ich war in die tägliche Sachbearbeitung und in die organisatorische Aufgabenbewältigung eingebunden. Dabei stand das praktische Arbeiten und Kennenlernen der Behördenarbeit im Vordergrund.

Einblick in den Einsatzalltag

Zu einem Praktikumsabschnitt gehörte es, dass ich den Einsatzdienst auf der Feuer- und Rettungswache Wedding begleiten konnte. Dabei lernte ich den Wachalltag kennen und fuhr zu Einsätzen auf dem Lösch- und Hilfeleistungsfahrzeug (LHF) und dem Rettungswagen (RTW) mit. Während der Zeit auf der Wache erlebte ich das typische Einsatzspektrum eines Feuerwehrangehörigen. Dazu gehörten auf dem LHF Verkehrsunfälle mit Verletzten, auch Großbrände waren dabei, aber vor allem die alltäglichen Einsatzgeschehnisse, wie die Alarmierungen zu Brandmeldeanlagen (BMA). Im Rettungsdienst waren es häufig die eher kleineren Notfälle, zu denen der RTW in meinen Schichten gerufen wurde. Aber es gab auch den Tag an dem lebensrettende Maßnahmen gefordert waren und zwar bei der Reanimation eines Patienten. Sehr auffallend waren für mich die diversen Einsätze nach Körperverletzungen, zu denen wir mit dem RTW ausgerückt sind. Eines meiner Highlights war die Teilnahme an einer Schicht auf dem Intensivtransporthubschrauber (ITH) Christoph Berlin, dabei hatte ich die Gelegenheit mir die Arbeitsabläufe sowie den Arbeitsalltag anzuschauen. Insgesamt war es für mich persönlich sehr eindrucksvoll, zu erleben mit wie vielen unterschiedlichen Erlebnissen und auch Schicksalen die Einsatzkräfte, innerhalb manchmal nur einer Schicht konfrontiert werden und letztlich umgehen müssen.

Ebenfalls bestand für mich häufig die Möglichkeit, den Führungsdienst der Berliner Feuerwehr auf dem Einsatzleitwagen (ELW) zu begleiten. Hier erlebte ich ein großes Spektrum an Einsätzen. Natürlich waren auch wieder Routineeinsätze dabei, wie die zahlreichen BMA aber auch das Sichern eines sinkenden Bootes, die Rettung einer Person bei einem Bahnunfall sowie größere Brandeinsätze.

In regelmäßigen Abständen arbeitete ich auch beim Pressedienst der Berliner Feuerwehr mit. Der Ablauf während des Pressedienstes war so, dass mein Chef zu besonderen, komplexen und oder großen Einsatzstellen über einen Rufmelder informiert wurde und wir dann demensprechend an den jeweiligen Einsatzort gefahren sind.

Beim Eintreffen an der Einsatzstelle ging es zunächst darum, sich einen Überblick zu verschaffen. Danach wurden Informationen eingeholt sowie Bildmaterial angefertigt, um schließlich einen Bericht für die Homepage der Berliner Feuerwehr zu erstellen.

Anschauen und lernen für die Praxis

Für mich ergaben sich während meines Praxissemesters viele Gelegenheiten für eindrucksvolle Besichtigungen. Bei einer Exkursion beispielsweise in die Leitstelle der Berliner Feuerwehr habe ich einen interessanten Einblick in die Aufgaben und Arbeitsabläufe erhalten dürfen. Zudem konnte ich mir auch die Arbeit des Stabes anschauen, der temporär eingerichtet wurde, um die Flüchtlingsströme die nach Berlin kamen zu koordinieren. Schon während meiner Zeit auf der Feuer-und Rettungswache habe ich einen persönlichen Eindruck davon bekommen, welche logistische Herausforderung es ist, eine Flüchtlingsunterkunft für mehrere hundert Menschen herzurichten.

Im Rahmen des Praktikums erhielt ich immer wieder fachbezogene Aufgaben bzw. auch kleinere Projekte. Aufgrund der zunehmenden Anzahl von Flüchtlingen in Berlin und der damit einhergehenden Sprachproblematik, wurde ich mit der Beschaffung einer Kommunikationshilfe für die Berliner Feuerwehr beauftragt. Für jeden RTW wurde eine Kommunikationshilfe in Form eines Buches angeschafft, welches aus der Kombination von Bildern und Untertiteln in mehreren Sprachen die Verständigung vereinfachen soll.

Wenn es zeitlich möglich war, konnte ich an Seminaren der BFRA teilnehmen. So habe ich beispielsweise an den Lehrgängen „Medizinprodukte-Beauftragter“, „Verletztenversorgung auf Großschadensstellen“ und „Organisatorischen Leiter Rettungsdienst“ teilgenommen. Weiterhin habe ich die Möglichkeit wahrgenommen eine Tagung zur Problemstellung „Batteriesicherheit in Bezug auf alternative Antriebe“ beim Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur zu besuchen.

Üben für den Ernstfall

Ich erhielt während des Praxissemesters auch die Chance, mir die Flughafenfeuerwehr Berlin Tegel anzuschauen und an einer Einsatzübung teilzunehmen. Der Tag gestaltete sich so, dass mein studentischer Kollege und ich zunächst ein Briefing zur bevorstehenden Übung erhielten, auf die Fahrzeuge aufgeteilt wurden und anschließend zum brennenden Flugzeug eilten. Vor Ort haben wir als Beobachter das einsatztaktische Vorgehen der Flughafenfeuerwehr analysiert. Nachdem das Einsatzszenario beendet war, fuhren wir zurück zur Wache und erhielten dort eine eindrucksvolle Führung. Uns wurden neben der Flughafenwache auch ausführlich die Einsatzahrzeuge sowie deren Besonderheiten erläutert. Insgesamt erlebten mein studentischer Kollege aus Köln und ich einen wirklich erlebnisreichen Tag bei der Flughafenfeuerwehr Berlin Tegel.

Zu einem meiner Tätigkeitsschwerpunkte an der BFRA gehörte es, dass ich an der Planung, Organisation und schließlich der Durchführung u.a. von Veranstaltungen sowie Fortbildungen mitwirkte. Dabei spielte auch die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Behörden sowie externen Firmen eine wesentliche Rolle.

Im Rahmen einer Übung der Berliner Polizei und der Berliner Feuerwehr zum Thema “Bedrohungslage”, war ich mit dem Test einer Evakuierungsmatratze als neues Rettungsmittel beauftragt.

Im Anschluss an diese Übung erstellte ich ein Informationsblatt zu der getesteten Rettungsmatratze für die Berliner Feuerwehr.

Veranstaltungen, Seminare, Highlights

Weiterhin war ich planerisch und organisatorisch an der Veranstaltung „Rescue Days“ beteiligt. Diese beeindruckende und weltweit größte Ausbildungsveranstaltung im Bereich der technischen Hilfeleistung fand auf dem Gelände der Messe Berlin statt. Über 80 internationale Ausbilder schulten an drei Veranstaltungstagen ca. 800 Teilnehmende aus der ganzen Welt, darunten 200 Einsatzkräfte der Berliner Feuerwehr.

Mein erworbenes Wissen konnte ich bei einer Übung während der Rescue Days unter Beweis stellen. Dabei wurde ich als Unterstützung, in Form des Führungsassistenten, für den Organisatorischen Leiter Rettungsdienst (OrgL) eingesetzt. Das fiktive Szenario stellte einen schweren Busunfall dar mit einer Vielzahl von verletzten Personen. Ich war dafür zuständig mir einen Überblick über die Anzahl der Patienten zu verschaffen sowie deren jeweiligen Schweregrad der Verletzung, sodass die Versorgung und der Transport dementsprechend koordiniert werden konnte.

Grundsätzlich erhielt ich häufig die Gelegenheit meine eigenen Ideen und Gedanken einzubringen, beispielsweise war ich bei der Planung einer Fachtagung zur Thematik „Technische Rettung aus Pkw“ in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Berlin dabei. Zu einer sehr beliebten und jährlich stattfindenden Veranstaltung bei der Berliner Feuerwehr zählt das sogenannte „Rettungsdienstsymposium“ an der Charité Berlin, woran ich mich ebenfalls beteiligen durfte. Neben diesen großen Events war es gleichermaßen meine Aufgabe, die Lehrgänge von Herrn Dr. Erbe mit zu organisieren und ihn bei der Durchführung zu unterstützen. Dazu gehörten die Kurse „Verletztenversorgung auf Großschadensstellen“ und der Lehrgang „Organisatorischer Leiter Rettungsdienst“, dafür stimmte ich mit den Dozenten die Termine sowie die Themen ab und erstellte anschließend den Ablaufplan. Um die immer wiederkehrenden Tätigkeiten für diese Veranstaltungen nicht ständig neu zu erarbeiten, habe ich beispielsweise für den Lehrgang „ OrgL RD“ eine Checkliste erstellt.

Meine letzte größere Aufgabe im Praxissemester bestand darin, eine Checkliste bzw. Handlungsanweisung zum Thema „Organisatorischer Leiter Rettungsdienst“ für den Einsatzleitwagen (ELW) der Berliner Feuerwehr zu erstellen. Obendrein kam zum Ende meines Praktikums das Thema Ersthelfer-System bei der Berliner Feuerwehr auf. Dabei geht es darum, dass registrierte Ersthelfer von der Leistelle per Smartphone Applikation bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand in ihrer Nähe alarmiert werden und die Erstversorgung beim Notfallpatienten übernehmen. Leider endete für mich die Mitarbeit bei diesem Projekt mit Abschluss meines praktischen Studiensemesters. Aber ich bin sehr gespannt wie sich dieses Vorhaben weiterentwickelt und in welchem Rahmen es in Berlin umgesetzt wird.

Mein Fazit

Durch meine Tätigkeit bei der Berliner Feuerwehr habe ich gelernt wie die Abläufe in der Behörde funktionieren und wie vielseitig die Arbeitsmöglichkeiten bei einer Berufsfeuerwehr sind. Als sehr positiv empfand ich die Abwechslung zwischen Bürotätigkeit, der Teilnahme an Veranstaltungen und dem Miterleben von Einsätzen. Zudem hatte ich als Praktikant viel Freiraum, ich konnte immer mit meinem Praxisanleiter darüber sprechen, wenn ich beispielsweise vorhatte in einem bestimmten Bereich zu hospitieren oder Veranstaltungen zu besuchen. Diese Möglichkeit habe ich, sofern es zeitlich gepasst hat, immer genutzt und somit ein großes Spektrum der Berliner Feuerwehr kennengelernt und mir dabei viel Wissen angeeignet.

Insgesamt hat mir das Praktikum außergewöhnlich gut gefallen, da die Aufgabenbereiche sehr vielfältig waren und ich offen im Team aufgenommen wurde. Außerdem empfand ich es als angenehm, mit einem weiteren Praktikanten zusammenzuarbeiten, da wir uns optimal ergänzt haben. Ich habe mir sowohl für mein Studium als auch für meine ehrenamtliche Tätigkeit bei der Feuerwehr viel Wissen und einiges an Erfahrung aneignen können.

Sebastian Rieck

Die Kommentarfunktion ist für diesen Artikel deaktiviert.

0 Kommentare