27. September 2016 - Aus- und Fortbildung

Standardisierte Versorgung von Notfallpatienten

Die medizinischen Handlungsanweisungen oder kurz SOP (Standard Operating Procedures) beschreiben das standardisierte Vorgehen am Notfallpatienten in bestimmten Situationen, bei bestimmten Symptomen oder Verdachtsdiagnosen. Sie basieren auf den medizinisch-wissenschaftlichen Leitlinien der Fachgesellschaften sowie den Empfehlungen des Bundesverbandes der Ärztlichen Leiter Rettungsdienst. SOP stellen den Kernprozess bei der Arbeit im Notfallrettungsdienst dar und sind Grundlage jeglichen Handelns im Einsatz.

Fallbeispiel Reanimation

Die SOP der Kategorie Notfallrettung gliedern sich in drei Unterkategorien:

  • Basis-SOP (SOP B)
    SOP B werden bei jedem Einsatz oder bestimmten immer wieder vorkommenden Situationen angewandt. Beispiele herfür sind das ABCDE-Schema oder die Reanimation.
  • Spezifische-SOP (SOP S)
    SOP S kommen bei speziellen und in der SOP definierten Symptomen oder Verdachtsdiagnosen zur Anwendung. In der Regel werden in der SOP bestimmte Maßnahmen oder die Medikamentengabe beschrieben. Beispiele hierfür sind das kardiale Lungenödem oder die Bradykardie.
  • Maßnahmen-SOP (SOP M)
    SOP M beschreiben die konkrete Anwendung einer bestimmten Maßnahme, bspw. Das Legen eines intravenösen Zugangs.

Auf Grundlage der GA Medizinische Handlungsanweisungen (SOP) vom 12.05.2015 wurden in den letzten Jahren die ersten rettungsdienstlichen Algorithmen erstellt, eingeführt und evaluiert.

Die SOP gelten für alle im Notallrettungsdienst tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Dazu zählen neben der Berliner Feuerwehr auch das Deutsche Rote Kreuz, der Malteser Hilfsdienst, der Arbeiter-Samariter-Bund, die Johanniter-Unfall-Hilfe, die Bundeswehr, die Flughafenfeuerwehr Tegel, die ADAC Luftrettung sowie die DRF Luftrettung.

Basis-SOP sind bereits jetzt schon für den Einsatzdienst verbindlich. Sukzessive werden weitere SOP-Freigaben für den Einsatzdienst folgen. Hier sind besonders die spezifischen SOP zu nennen, bei denen es zu erweiterten Versorgungsmaßnahmen sowie zu ärztlichen Maßnahmen durch den Notfallsanitäter (NotSan) kommt. Eine wichtige Grundlage hierfür stellt die am 8. September 2016 vom Berliner Abgeordnetenhaus verabschiedete Änderung des Rettungsdienstgesetzes (RDG) dar.

Fallbeispiel internistischer Notfall

Die Etablierung der Medizinischen Handlungsanweisungen erfolgt schrittweise in einem kontinuierlichen Prozess. Im September 2015 erfolgte hierfür die erste Schulung von Wach-Multiplikatoren durch die BFRA und den Stab RD.  

Im zweiten Schritt ist nun in einer weiteren Informationsveranstaltung auf die Neuerungen der SOP S sowie SOP M und die rechtlichen Grundlagen in der Anwendung der SOP eingegangen worden. Durch praktische Fallbeispiele wurde aufgezeigt, wie die Arbeit nach den SOP zukünftig ablaufen soll und wie Abweichungen von einer SOP einzuordnen sind. Hierzu ist ein fester Personenkreis von jeder Dienststelle/ Organisation in den großen Saal des Dienstgebäudes Mitte eingeladen worden.

An insgesamt sechs Terminen im Zeitraum von Juli bis September 2016 besuchten 216 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Veranstaltungen. Geplant und durchgeführt wurden diese durch die BFRA und den Stab RD mit der Ärztlichen Leitung Rettungsdienst. Besonderer Dank gilt hier nochmals den engagierten Honorarkräften sowie den Auszubildenden der dreijährigen Notfallsanitäterklassen für die tatkräftige Unterstützung.

Fallbeispiel traumatologischer Notfall

Das Feedback zu der Informationsveranstaltung und zu den SOP fiel überwiegend sehr positiv aus. Anhand der standardisierter Auswertebögen sowie der zahlreichen fachlichen Diskussionen konnten viele konstruktive Verbesserungsvorschläge gesammelt werden, die in die weitere Arbeit an den SOP einfließen.

Für eine kontinuierliche Evaluation der SOP unter notfallmedizinischen Aspekten ist das Feedback aus den Schulungen unerlässlich. Für weitere Rückmeldung bitten wir jede Mitarbeiterin und jeden Mitarbeiter im Notfallrettungsdienst sich an folgende E-Mail-Adresse zu wenden: SOPrepbfwatberliner-feuerwehrrepbfwdotde

Das Schulungskonzept der Berliner Feuerwehr- und Rettungsdienst-Akademie (BFRA) und des Stabsbereichs Rettungsdienst sieht im nächsten Schritt eine Vorort-Information der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf den Feuerwehr-Dienststellen vor. Weiterhin werden die SOP in den zukünftigen Rettungsdienstfortbildungen einen zentralen Teil einnehmen.  

Um die Akzeptanz und die Nutzung der SOP zu steigern, wird derzeit weiterhin an der Umsetzung eines personengebundenen SOP-Buches sowie einer App-gestützten Publikation gearbeitet.

James Klein, BFRA

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