07. November 2016 - Aus- und Fortbildung, Menschen

Vier Wochen Graz

Die Berufsfeuerwehr der Stadt Graz war das Ziel meiner vierwöchigen Hospitationsreise. Auf der Fahrt dorthin klingelte irgendwann mein Telefon mit einer österreichischen Nummer, es war der Branddirektor Stellvertreter Ing. Heimo Krajnz, der sich erkundigen wollte, ob alles klappt. Es gab nur ein kleines „Problem“....... ich habe zunächst nicht ein Wort verstanden. Schon während des Gesprächs wurde mir klar, dass das eine Sprachreise werden würde. Wie sich auch vor Ort herausstellte, war der Dialekt schon sehr individuell.

In Graz angekommen, bin ich sehr freundlich begrüßt und empfangen worden. Mein Gästezimmer befand sich in der Zentralwache am Lendplatz, dort sollte ich auch meinen Dienst versehen.

Graz ist die Bundeshauptstadt der Steiermark, hat ca. 300.000 Einwohner und ist die drittgrößte Metropole in Österreich.

Die Abdeckung des gesamten Stadtgebiets wird durch drei Berufsfeuerwachen gewährleistet, zusätzlich gibt es noch eine Freiwillige Feuerwehr ohne eigenen Zuständigkeitsbereich und weitere 25 Betriebsfeuerwehren der vor Ort befindlichen Industrie und den Krankenhäusern. Der gravierendste Unterschied zu Berlin ist, dass der Rettungsdienst komplett durch das ÖRK abgedeckt wird.

Der tägliche Dienstbetrieb begann um 7.30 Uhr mit dem ersten Antreten in einer Stärke von 28 Feuerwehrmännern und der vorläufigen Einteilung der Funktionen, im Anschluss wurden alle Fahrzeuge übernommen.

Gleich hier war sehr gut die Hierarchie und Disziplin zu erkennen, die sich im Laufe der vier Wochen wie ein roter Faden durch den Dienstbetrieb zog.

Um 8.00 Uhr wurde zum zweiten Mal angetreten und die Aufgaben für den Vormittag verteilt. Eine vielfältige Auswahl stand auf dem Programm, angefangen von kurzen Übungen mit einzelnen Fahrzeugen oder Einsatzmitteln, Besichtigungen, Arbeitsdienste, Unterricht und persönlichen Pflichtüberprüfungen (Atemschutzstecke usw.).

Alarme wurden selbstverständlich auch gefahren. Durch die gute Gebäudestruktur sind die Ausrückezeiten sehr kurz. Im Jahr gibt es in Graz ca. 6.000 Alarmierungen, die sich im Großen und Ganzen nicht von den Unseren unterscheiden. Auf jeden Fall zu erwähnen ist, dass die BF Graz eine gute Reserve an Einsatzkräften und Einsatzmitteln in der Hinterhand hat. Ein gravierender Unterschied ist, dass bei der Brandbekämpfung mit Dreimann-Trupps agiert wird.

Die BF Graz hält jede Menge Fahrzeuge und Sondertechnik bereit, dadurch ist der Aus- und Fortbildungsbedarf ziemlich umfangreich. Die Sonderausgaben sind auf die drei Standorte verteilt, wobei die Feuerwache am Lendplatz die meisten Aufgaben abzudecken hat.

Gegen 12.00 Uhr war auch hier Mittagspause. Das Highlight war, dass das Mittagessen vom Betriebskoch frisch vorbereitet wurde und zu einem adäquaten Preis zu bekommen war.

Bis 14.00 Uhr war Bereitschaftszeit, im Anschluss wurde zum dritten Mal in der Fahrzeughalle angetreten und die restlichen Arbeiten verteilt. Ab 16.00 Uhr wurde dann Dienstsport betrieben, als Pflichtprogramm. Meine Dienstzeit, Montag bis Freitag, endete dann gegen 18.00 Uhr.

Die mir zugeteilte tägliche Funktion war größtenteils Melder auf dem KDO, so wurde der ELW vor Ort genannt. Lustig daran war, dass ich den Einsatzstellenfunk regeln sollte. Konnte aber unmissverständlich klarstellen nicht ein Wort am Funk zu verstehen. Man hatte Verständnis dafür. Ich konnte mich dann an anderer Stelle mit einbringen.

Die im Laufe der Zeit aufkommenden Fragen, wurden immer und von jedem Kollegen sehr umfangreich beantwortet. Nach kurzer Zeit hatte ich das positive Gefühl integriert zu sein, was das Arbeiten sehr angenehm machte. Ich wurde zu jeder Übung, Besichtigung mitgenommen und konnte mich auch beteiligen.

Auf der Zentralwache am Lendplatz gab es ziemlich viel zu sehen und zu erfahren. Angefangen von der üppigen und vielseitigen Fahrzeugtechnik, über die Branddirektion, Atemschutzwerkstatt, Leitstelle, Feuerpolizei (VBG), der eigenen Sporthalle, KFZ - und LKW Werkstatt und der 9m tiefen Tauchübungsanlage.

Jetzt besteht eine solche Hospitation nicht nur aus dienstlichen Bestandteilen, sondern hat auch dienstfreie Anteile. An den Wochenenden hatte ich das Glück, bei perfektem Spätsommerwetter und strahlender Sonne, die landschaftlichen Vorzüge der Steiermark genießen zu dürfen.

Stadt Graz verfügt über zahlreiche Sehenswürdigkeiten und eine wunderschöne Altstadt. Beim Verlassen der Stadt fiel gleich auf, dass der ländliche Eindruck dem typisch österreichischen Charakter entspricht. Mir sind unterwegs sehr offene und freundliche Menschen  und eine Landschaft mit viel Grün und satter Natur begegnet. Als absolutes Highlight kann und muss ich das Weinanbaugebiet im Süden, direkt an der Slowenischen Grenze, erwähnen. Auch wenn das hier kein Reiseportal ist, darf dieser Tipp gerne für die private Urlaubsgestaltung genutzt werden.

Wieder zurück im Feuerwehralltag kann ich abschließend sagen, dass die Hospitation ein voller Erfolg war. Dienstlich kann der ein oder andere Punkt in meine persönliche Gestaltung einfließen und auch für die Berliner Feuerwehr wird es Dinge geben, die mit eigebracht werden können.

Mittlerweile kann ich mich auch komplett vor Ort verständigen.

Herzlichen Dank an die Grazer Kollegen für ihre sympathische Art und professionelle Arbeit und auch an meine Kollegen in Schöneberg, die während meiner Abwesenheit einfach super weitergearbeitet haben.

Torsten Beißel, Feuerwache Schöneberg

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