09. Mai 2016 - Menschen

War'n sie kleiner, beschaffte sie Rainer...

BOAR Rainer Kautz wurde mit Ablauf des Monats April 2016 in seinen verdienten Ruhestand verabschiedet. Im Bereich Fahrzeuge und Geräte – Beschaffung von Fahrzeugen < 7,5 t im Allgemeinen und Beschaffung von sämtlichen Fahrzeugen für den Rettungsdienst im Speziellen -  endet damit eine 27jährige Ära und der Generationswechsel in der genannten Organisationseinheit schreitet fort.

Der gelernte Kfz-Mechaniker Rainer Kautz absolvierte seine Ausbildung bei der Deutschen Fiat-AG, arbeitete zunächst im Quartier Napoleon und reparierte die Fahrzeuge der französischen Gendarmerie. Es war sein Bruder, selber Mitglied in der FF Lübars, der ihm riet, sich bei der Feuerwehr zu bewerben. Gesagt – getan. Sein Werdegang bei der Berliner Feuerwehr begann am 1. April 1977. Die Feuerwachen Schillerpark und Wittenau prägten seine ersten Löschversuche, bevor er auf dem 2. Bildungsweg seine Fachhochschulreife mit Abitur erlangte. Ein Bewerbungsgespräch zum Aufstieg in den gehobenen Dienst beim damaligen BD Birth führte dazu, dass er ab Oktober 1983 an der TFH Berlin ein Maschinenbauerstudium absolvierte, dieses 1987 als Diplom-Ingenieur abschloss, anschließend die Laufbahnprüfung bestand und eine Einweisung in eine Stelle des gehobenen Dienstes auf der Feuerwache Suarez erhielt. 1988 wechselte er auf die Feuerwache Schöneberg.

In Vertretung für den damaligen Wachleiter Horst Grünberg nahm er an der Verabschiedung des LBD Kurt Werner Seidel teil. Hier traf Rainer Kautz auf den Leiter der Abteilung Fahrzeuge und Geräte, BD Mielke, der ihn gern als Leiter der Werkstatt im Nikolaus-Groß-Weg gesehen hätte. Dies entsprach jedoch nicht seinen Vorstellungen, aber die Tür in Richtung Abteilung III war aufgestoßen worden, bevor sie sich ab Februar 1989, zunächst über die Fahrzeuge des Katastrophenschutzes und der kommissarischen Leitung des Sachgebietes Hubrettungsfahrzeuge, richtig öffnete.

In der Folge übernahm Rainer Kautz die Sachgebietsleitung über Hubrettungs- und Sonderfahrzeuge. Ein Traum ging für ihn Erfüllung! Die Bilanz bescheinigt ihm, um nur einige zu nennen, u.a. die Beschaffung der ersten Drehleiter mit lenkbarer Hinterachse, 30t Kräne von Faun und Liebherr, den Teleskopmast, die Mobile Tankstelle, die zwei 350 kVA Generator Abrollbehälter, Rüstwagen und viele Abrollbehälter bspw. für Atemschutz und Gefahrgut. Parallel dazu übernahm er ab 1992 die Bearbeitung der Löschboote. Innerhalb von 10 Jahren erlangte Rainer Kautz ein fulminantes Wissen über all die Fahrzeuge, die nicht Lösch- oder Rettungsdienstfahrzeuge hießen und war inzwischen Brandamtsrat. Und dann?

Manch einer erinnert sich vielleicht noch, dass 1999 bei der Berliner Feuerwehr im Zusammenhang mit der Umsetzung der Verwaltungsreform im Land Berlin nicht nur aus sechs Abschnitten drei Direktionen wurden. Es sind die Abteilungen in Serviceeinheiten umbenannt worden und auch der Bereich Grundsatz und Steuerung entstand. Man sprach von LuV (Leistungs- und Verantwortungszentrum) und Organisationseinheiten. In diesen zeitlichen Kontext fällt auch die Umorganisation der neu benannten Serviceeinheit Fahrzeuge und Geräte, die nunmehr aus den Referaten Planung und Beschaffung (FG PB),  Instandhaltung (FG IH) und dem Technischen Dienst bestand. Schnell hatte sich etwas eingebürgert, dass sinngemäß wie folgt lautete: „Fahrzeuge, die > 7,5 t (Lösch-, Hubrettungs- und Sonderfahrzeuge) sind, werden bei PB 1 beschafft und sind sie kleiner, beschafft sie Rainer." Rainer Kautz war zunächst nicht sonderlich von der Entscheidung begeistert, dass er nunmehr der Sachgebietsleiter (FG PB 3) über die Beschaffung von Rettungsdienst- und Wirtschaftsfahrzeugen oder Einsatzleitwagen sein sollte. Aber -  jemand, der wie Rainer Kautz preußisch pflichtbewusst und absolut loyal ist, dem die hohe Affinität zur Technik und zu allem, das vier Räder und einen Motor hat, angeboren zu sein scheint, erkannte sehr schnell, dass sich ihm hier die großartige Chance bot, das Arbeitsgebiet ganz neu aufzubauen. Mit hohem Engagement, großer Akribie und dem Blick für noch so kleine Details entwarf er konstruktive Lösungen, die als technische Innovationen in die heutigen RTW und NEF eingegangen sind und somit als moderne, sichere und leistungsfähige Einsatzfahrzeuge für den Notfallrettungsdienst zur Verfügung stehen. Damit erwarb sich Rainer Kautz nicht nur bei den Einsatzkräften hohe Akzeptanz, sondern auch im Kreise der Hersteller von Fahrzeugen für die Notfallrettung und nicht zuletzt bei denjenigen, die die Hilfe der Berliner Feuerwehr benötigen. Mehr als 500 Fahrzeuge mit entsprechendem Equipment hat Rainer Kautz gemeinsam mit seinen Mitarbeitern im Laufe der letzten 27 Jahre unter nicht immer einfachen Bedingungen beschafft, denn permanente Kürzungen in den Haushaltsplänen der letzten Jahre ließen nicht viel Spielraum für Extras. Neben der Beschaffung von 275 RTW, 55 NEF, 13 NAW, 1 BTW, 1 ITF, je 1 GW und AB MANV,  4 GW San, 2 GW Mess, 1 MTF 3, 30 ELW B/C u.v.a.m. war für ihn ein besonderes Highlight, die Entwicklung und der Aufbau des Stemo-Fahrzeugs, welches im Rahmen eines Forschungsprojekts Einzug in die Berliner Feuerwehr hielt. Die Erfahrungen und Erkenntnisse, die aus diesem Projekt im Umgang mit dem Fahrzeug und den technischen Einbauten gewonnen wurden, münden nunmehr in die Beschaffung weiterer Einsatzfahrzeuge dieser Art.

Versuche, BOAR Rainer Kautz zu einer Verlängerung über das reguläre Pensionsalter hinaus zu überreden, um diesen großen Erfahrungsschatz u.a. im Rahmen des Wissenstransfers weiterzugeben, lächelte er konsequent weg. Und auf die Frage hin, was er denn nun im Ruhestand neben der Abarbeitung der obligatorischen „to-do-Liste“ machen werde, sagte er nur: „Mir was ausdenken und dann bauen oder aus alt neu machen.“ Nun denn – es sei ihm gegönnt. Wir sagen an dieser Stelle DANKE für die geleistete Arbeit, für das Engagement, für die Zuverlässigkeit und für die Loyalität verbunden mit den besten Wünschen für den neuen Lebensabschnitt, für die Gesundheit, für die Familie und viele Ideen, um was zu bauen.

Kathrin Richter
ZS FG PB

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