1922: Brand der Sarottiwerke

Am 20. Januar 1922 kommt es in den Sarottiwerken im damals noch weit vor den Toren Berlins liegenden Tempelhof zu einem folgenschweren Brand. Das Feuer bricht im Keller der riesigen Kakao- und Schokoladenfabrik aus. Die zuerst eintreffende Tempelhofer Feuerwehr alarmiert auch die Feuerwehren aus Neukölln, Britz und Mariendorf. Doch die Vorortfeuerwehren bekommen den Brand nicht in den Griff. Schnell sind Treppenflure und der Innenhof verqualmt, 300 Personen vom Rauch eingeschlossen. Erst auf Drängen der Werksleitung wird die Berliner Feuerwehr alarmiert mit den Worten: „Die Hauptgefahr ist vorbei, Berlin möchte noch rauskommen.“ Zwei Jahre nach der Bildung Groß-Berlins sind die Vorstädte noch sehr autark und selbstbewusst. Als die Berliner eintreffen, brennt bereits ein Teil des Obergeschosses, durch die Kaminwirkung züngeln die Flammen mit ungeheuerer Intensität an der Außenfassade hoch. Die Eingeschlossenen können zwar noch mit dem Rettungsschlauch gerettet werden, Oberbranddirektor Reichel weigerte sich jedoch mit einem Innenangriff das Leben seiner Männer aufs Spiel zu setzen, wofür die Geschäftsleitung später auch heftige Kritik an der Feuerwehr übte. Die Klage der Sarottiwerke über eineinhalb Millionen Mark Schadensersatz von der Stadt Berlin scheiterte schließlich 1929 in dritter Instanz.