1982: Flash-Over bei Brand an der Charité

Am 27. März 1982 werden die Feuerwachen Mitte, Friedrichshain und Prenzlauer Berg zu einem Brand in einer Bauarbeiterbaracke an der Baustelle des neuen Bettenhochhauses der Charité gerufen. Deren neue Bauweise mit fertig vormontierten Kunststoffsegmenten und ausgeschäumten Lamellen als Wärmeisolation und deren Brandverhalten sind in der DDR damals noch unbekannt. Auch die Zwischenwände aus Hartfaserplatten sind innenseitig verschäumt. Später sollte dieser Bautyp als „Schnellbrenner“ oder „18-Minuten-Baracke“ in die Geschichte der DDR eingehen.

Beim Eintreffen der ersten Kräfte brennt der Mittelteil der Baracke bereits in voller Ausdehnung. Hauptfeuerwehrmann Roland Riesenberg und Feuerwehrmann Olaf Müller kommen im Innenangriff in einen Aufenthaltsraum, der nicht verqualmt oder vom Brand betroffen ist. Wie in ihrer Ausbildung gelernt, nähern sie sich an der Zwischenwand kauernd der Tür, die zum Brandherd führt. Durch ihre Schutzausrüstung riechen sie nicht die Pyrolysewolke vom verdampfenden PUR-Schaum und bemerken auch nicht, dass die Kunststoffverkleidung des Daches zähflüssig an der Wand herunter läuft und sich mit ihrer Schutzkleidung vermischt. Bevor die Beiden mit dem Löschen beginnen können, entzünden sich die unverbrannten Pyrolysegase schlagartig. Durch den aufgetropften Kunststoff steht auch die Schutzkleidung der Feuerwehrleute in Flammen. Riesenberg reißt sich seine Atemschutzmaske vom Kopf und sinkt ohnmächtig zu Boden. Anstatt sich selbst zu retten, wankt sein Passmann Olaf Müller schwerverletzt zu ihm und schleppt ihn mit letzter Kraft ins Freie. Beide erliegen jedoch einige Tage später im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen.

Da das unbekannte Brandverhalten der verwendeten Baustoffe alle Beteiligten überrascht hatte, wurde der Einsatzführung kein Verschulden durch die folgende Untersuchungskommission zu Lasten gelegt. Die Löschtaktik mit Innenangriff war als richtig anerkannt worden.