1993: Karfreitag im Düppeler Forst

Am 9. April 1993, einem Karfreitag, kommt es gegen 14.30 Uhr im Düppeler Forst im Ortsteil Wannsee zum schwersten Zugunglück in der Berliner Nachkriegsgeschichte. Durch eine falsch gestellte Weiche werden zwei entgegenkommende Personenzüge auf ein und dasselbe Gleis geleitet. Mit jeweils ca. 70 km/h stoßen die beiden Züge bei Kilometer 14,9 frontal zusammen.

Den zuerst eintreffenden Kräften bietet sich ein dramatisches Bild. Die beiden jeweils ca. 100 t schweren Diesellokomotiven haben sich in einander verkeilt. Die jeweils hinter den Loks laufenden Waggons sind bis auf die Hälfte zusammengeschoben bzw. förmlich „aufgeplatzt“. In den zerstörten Wagen sind mehrere Personen eingeklemmt. Viele der insgesamt 1.300 Passagiere haben den Zug bereits verlassen und irren teilweise unter Schock stehend durch den Wald. Der Einsatz der Feuerwehr ist sehr schwierig, da nur ein schmaler Waldweg bis zur Einsatzstelle führt, die von der nächsten Straße, der Potsdamer Chaussee entfernt liegt. Da zunächst unklar ist, wie viele Verletzte zu betreuen sind, wird auf dem Vorplatz des in etwa einem Kilometer Entfernung liegenden Bahnhofs Wannsee eine Verletztensammelstelle eingerichtet. An der in der Nähe befindlichen Dampferanlegestelle wird ein Rettungshubschrauberlandeplatz improvisiert. Neben dem Berliner Hubschrauber „Christoph 31“ werden auch zwei RTH aus Brandenburg vorsorglich alarmiert.

Es dauert mehrere Stunden, bis die letzten eingeklemmten Personen mit hydraulischem Rettungsgerät und Trennschleifern befreit sind. Parallel müssen mehrere hundert Liter Diesel aus den Unfall-Loks abgepumpt werden. Die Feuerwehr hat rund 150 Kräfte im Einsatz. In Krankenhäuser müssen 26 Menschen mit zum Teil schweren Verletzungen transportiert werden. Für zwei Fahrgäste kommt jede Hilfe zu spät. Auch einer der Lokführer überlebt den Unfall nicht. Er hatte bis zum Schluss versucht, den Zusammenstoß abzuwenden und wurde dabei in seinem Führerstand eingeklemmt. Er kann erst gegen 21 Uhr geborgen werden.