2008: Heiße Vorstellung im „Zirkus Karajani“

Am 20. Mai 2008 meldet ein Autofahrer der Leitstelle gegen 14 Uhr „Rauch aus einem gelben Gebäude“ an der Potsdamer Straße im Ortsteil Tiergarten. Der aufnehmende Disponent vermutete, dass es sich dabei um die weltberühmte Philharmonie handele und alarmierte sogleich vier Staffeln und einen Einsatzleiter „C“ (gehobener Dienst), zusammen also 30 Einsatzkräfte.

Wenige Minuten später gingen weitere Notrufmeldungen von Passanten und vorbeifahrenden Autofahrern über Rauch an der Philharmonie ein. Der noch auf der Anfahrt befindliche Einsatzleiter C erhöhte noch vor Eintreffen auf „Feuer acht Staffeln“. Auf dem Dach der von dem renommierten Architekten Hans Scharoun entworfenen und 1963 eingeweihten Philharmonie waren Dachdecker mit Ausbesserungsarbeiten an der Dachhaut beschäftigt. Im Foyer der Philharmonie fand zum Zeitpunkt der Brandmeldung ein „Lunchkonzert“ mit ca. 250 Zuhörern und Musikern statt. Dieses Konzert endete um 14 Uhr, sodass bei Auslösung des Hausalarms mit Eintreffen der ersten Einsatzkräfte die Besucher bereits auf dem Weg ins Frei waren. Außerdem hielten sich noch ca. 20 Beschäftigte im Gebäude auf, die sich aufgrund des Hausalarms ins Freie begaben.

Die Philharmonie ist Heimstätte der Berliner Philharmoniker. Die äußere Form des Gebäudes wird durch den Konzertsaal geprägt. Das dynamisch aufschwingende Zeltdach hat dem Bau im Berliner Volksmund den Spitznamen „Zirkus Karajani“ eingebracht, in Erinnerung an den langjährigen Chefdirigenten der Philharmoniker, Herbert von Karajan. Die Akustik des großen Konzertsaals gilt in Fachkreisen als einmalig. Schon geringe Einwirkungen auf die Gebäudestruktur können die Akustik empfindlich beeinflussen. Der Bau wurde überwiegend in Stahlbetonbauweise errichtet. Die Außenmauern wurden mit gelben, eloxierten Aluminiumplatten verkleidet. Sie verleihen dem Gebäude sein markantes Aussehen. Das Dach wurde ebenfalls in Stahlbetonweise errichtet. Auf die Betonschale wurde eine Holzbeplankung mit Wärmedämmung aufgebracht, das Dach anschließend mit Zinkblechen versehen. Zwischen der äußeren Betonschale und Konzertsaal gibt es eine weitere Stahlbetondecke. An dieser Decke ist ein Großteil der Saaltechnik (Schallsegel, Reflektoren und Beleuchtung) befestigt. Der Raum zwischen dieser Saaldecke und der äußeren Schale beträgt an manchen nur einen Meter, an andern Stellen über vier Meter.

Es brennt im Dachbereich zwischen der Betonschale und der Zinkblechverkleidung oberhalb des großen Saales. Im Verlauf des Brandes breitet sich das Feuer auf insgesamt ca. 1.600m2, also ca. ein Viertel der gesamten Dachfläche, aus. Der Löschangriff erfolgt über Drehleiter und Teleskopmast TM 50 sowie über den auf das Dach führenden Treppenraum. Parallel werden die wertvollen Musikinstrumente evakuiert. Insgesamt werden 14 Staffeln eingesetzt (ca. 170 Feuerwehrleute). Nach fünf Stunden ist die Lage unter Kontrolle, die Philharmonie gerettet.

Als Dank für den erfolgreichen Einsatz lädt die Intendantin der Philharmonie anschließend die Berliner Feuerwehrleute zu einem Konzert in die Waldbühne ein. Hierbei bedankt sich der Chefdirigent der Berliner Philharmoniker, Sir Simon Rattle, mit den Worten „Vielen Dank! Ohne Sie hätten wir jetzt keine Philharmonie mehr“ für den Einsatz der Berliner Feuerwehr. Dieser Dank und der anschließend aufbrausende Applaus der 18.000 Zuschauer dürfte wohl für alle anwesenden Feuerwehrleute das größte Dankeschön für die Anstrengungen nicht nur bei diesem Einsatz gewesen sein.