Branddirektor Erich Giersberg (1893-1905)

Erfinder des Atemschutzgerätes

Nachfolger Studes wird Erich Giersberg von der Kölner Berufsfeuerwehr. Die Bevölkerung Berlins erreicht zu dieser Zeit bereits die zwei-Millionen-Grenze. Mit diesem Wachstum hatte die Feuerwehr nicht Schritt halten können. Es fehlen Wachen und moderne Fahrzeuge. Giersberg setzt wieder verstärkt auf die Dampfspritze bei der Brandbekämpfung. Um 1900 bestehen bereits 12 Dampfspritzenzüge. Als Erstangriffsfahrzeug führt Giersberg die sog. Gasspritze ein, bei der aus einem Wasserbehälter das Löschwasser mittels Kohlensäure bzw. Pressluft gefördert wird. Damit kann die Anheizdauer der Dampfspritze überbrückt werden.

Nach mehreren dramatischen Bränden, bei denen auch Feuerwehrleute ihr Leben lassen müssen, gerät Giersberg in die öffentliche Kritik, weil die Feuerwehr nicht genügend Leitern habe. Es werden fortan mehrere Drehturmleitern beschafft, die bald fester Bestandteil des Löschzuges werden.

Ein Dienstunfall mit Folgen

Mit den Folgen der Industrialisierung wird Giersberg am 25. Februar 1897 in besonderem Maße konfrontiert. Bei einem Brand der Fa. Schering in Wedding treten giftige Salz- und Salpeterdämpfe aus. Da es geeignete Atemschutzgeräte noch nicht gibt, ziehen sich 60 Feuerwehrleute Verletzungen der Atemwege zu, darunter auch Giersberg, der an den Folgen den Rest seines Lebens laborieren wird. Ein Oberfeuerwehrmann erliegt am Folgetag sogar seinen schweren Vergiftungen.

Im Jahr 1901 wird das 50jährige Bestehen der Berliner Feuerwehr gebührend gefeiert. Zu diesem Anlass führt Giersberg eine neue Feuerwehruniform ein. Sie besteht aus einem einreihigen, blauen Rock und schwarzen Hosen mit roter Biese. Am Helm trägt die einzige „königliche“ Feuerwehr in Preußen nun auch ein Abzeichen in Form einer Krone.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wird die neu aufkommende Motorisierung bei den Feuerwehren ein großes Thema, denn der Betrieb mit Pferden ist teuer und aufwändig. Auch die Berliner Feuerwehr experimentiert mit Benzin- und Dampfmotoren und erprobt sogar einen Tretmotor, bei dem die Fahrzeugbesatzung am Ziel allerdings so erschöpft ist, dass sie nicht mehr zur Brandbekämpfung taugt. Eine Vorreiterrolle nimmt Giersberg mit seiner Feuerwehr bei der Motorisierung allerdings nicht ein, andere Feuerwehren schreiten hier schneller und mutiger voran. Nach dem Brand bei Schering ist Giersberg die Entwicklung eines Atemschutzgerätes wichtiger. Nach einigen Experimenten erfindet er ein Gerät in dem der verbrauchte Sauerstoff mittels Natronkalk regeneriert wird. Die Drägerwerke in Lübeck entwickeln aus seiner Idee 1904 das erste Sauerstoff-Regenerationsgerät, das in seiner Grundfunktion auch heute noch bei den Feuerwehren, im Bergbau oder beim Militär Anwendung findet. Unsterblich hat sich Giersberg auch mit der Entwicklung einer neuen Schlauchkupplung gemacht, die bis heute bei den deutschen Feuerwehren verwendet wird. Giersberg stirbt überraschend am 24. Februar 1905 im Alter von 51 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls. Man mutmaßt, dass auch dieser Schlaganfall eine Folge seines Dienstunfalles beim Schering-Brand gewesen sei.