Oberbranddirektor (West) Dr. Friedrich Kaufhold (1957 – 1968)

Der „teuerste Feuerwehrchef aller Zeiten“ 

Zu Wissells Nachfolger wird der Leiter der nordrheinwestfälischen Landesfeuerwehrschule, Dr. Friedrich Kaufhold bestimmt. Kaufhold war bereits zwischen 1936 und 1941 Angehöriger der Feuerlöschpolizei Berlin, wechselte dann aber zur Reichsfeuerwehrschule in Eberswalde. Die Auswahl Kaufholds hat möglicherweise auch damit zu tun, dass die Feuerwehr in West-Berlin nach dem Krieg nicht mehr den Anschluss an die westdeutschen Feuerwehren gefunden hat. Kaufhold soll die Berliner Feuerwehr modernisieren und an die in der Bundesrepublik Deutschland mittlerweile geltenden Normen angleichen.

700 Planstellen zusätzlich

Der Bau der Mauer am 13. August 1961 bestärkt Kaufhold umso mehr, die „Inselfeuerwehr“ zu modernisieren und den neuen Herausforderungen anzupassen, denn er weiß nun: West-Berlin braucht eine starke Feuerwehr, denn was immer auch kommt, Hilfe von außen ist nicht zu erwarten. Bis 1967 schafft es Kaufhold alle geeigneten Berufsfeuerwachen mit je einem zeitgemäßen Vier-Fahrzeug-Löschzug, bestehend aus Löschfahrzeug LF 16, Tanklöschfahrzeug TLF 16, Drehleiter DL 30 und Unfallwagen UW (Krankentransportwagen), auszustatten. Der neuartige Pressluftatmer löst den altgedienten „Heeresatmer“ (Kreislaufgerät) ab. Auch personell kann er die Berliner Feuerwehr ertüchtigen. Während seiner elfjährigen Amtszeit werden ihm insgesamt über 700 zusätzliche Stellen bewilligt. Das schaffte vor ihm kein anderer Feuerwehrchef und wird auch von seinen Nachfolgern in dieser Größenordnung nicht erreicht werden können. Auch für die Gebäudeausstattung kann Kaufhold einiges erreichen: Zwischen 1960 und 1967 werden jedes Jahr eine neue Wache gebaut und zwei Bestehende modernisiert. Um diese Ziele zu erreichen, stoppt Kaufhold auch die von Wissell eingeleitete Auflösung von Freiwilligen Feuerwehren, damit er diese nicht durch BF-Kräfte ersetzen muss.

Betrug der jährliche Etat der Berliner Feuerwehr bei Kaufholds Amtsantritt 12,5 Mio. D-Mark, so sind es bei seinem Ausscheiden im Jahre 1968 bereits 50 Mio. D-Mark. Scherzhaft nimmt Kaufhold im trauten Gespräch schon einmal für sich in Anspruch, der teuerste Chef der Berliner Feuerwehr gewesen zu sein. Da ist es nur konsequent, dass anlässlich seiner Verabschiedung die neue Zentrale der (West-) Berliner Feuerwehr in Charlottenburg-Nord mit einer neuen Leitstelle, moderner Zentralwerkstatt, einem eigenem Wachgebäude für den technischen Dienst und einem achtgeschossigen Verwaltungsgebäude eröffnet wird. Es wird Dr. Friedrich Kaufhold möglicherweise betrübt haben, dass er nicht auch wie geplant die Eröffnung der Räumlichkeiten der Feuerwehrschule und der Fernmeldeabteilung am gleichen Standort vornehmen konnte. Sein Ziel, alle Fachabteilungen der Feuerwehr in Charlottenburg-Nord zu konzentrieren, erreicht er altersbedingt nicht mehr. Es konnte bis heute nicht realisiert werden. Kaufhold scheidet am 31. Januar 1968 als erster Leiter in der Geschichte der Berliner Feuerwehr regulär mit Erreichen der gesetzlichen Altersgrenze aus. Er verstirbt zwanzig Jahre später in seiner Wahlheimat am Bodensee.