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Großbrand auf dem Sprengplatz im Grunewald

Ortsteil: Nikolassee

Straße: Kronprinzenssinnenweg

Um 3:24 Uhr wurde der Leitstelle der Berliner Feuerwehr ein Brand im Bereich des Sprengplatzes Grunewald gemeldet. Schon bei Eintreffen der ersten Einsatzkräfte kam es auf dem Gelände des Sprengplatzes zu heftigen Explosionen. Die Kräfte mussten sich aufgrund der sehr hohen Eigengefährdung aus dem unmittelbaren Bereich des Sprengplatzes zurückziehen und alarmierten in kurzer Folge umfangreiche Einsatzkräfte nach.

Glücklicherweise mussten keine verletzten Personen an der Einsatzstelle behandelt werden und auch eine Evakuierung von Wohngebäuden war aufgrund der Lage des Sprengplatzes mitten im Grunewald nicht notwendig.

Aufgrund der Explosionen kam es im bewaldeten Umfeld des Sprengplatzes an mehreren Stellen zu Bränden des Waldbodens. Um etwa 7 Uhr waren hier rund 15.000 m² von den Bränden betroffen.
Aufgrund der besonderen Lage wurde neben den umfangreichen Kräften an der Einsatzstelle um 06:15 Uhr der Stab der Berliner Feuerwehr alarmiert. Dieser unterstützte die Einsatzleitung vor Ort mit Logistiklösungen, beobachtete und bewertete die Gesamtlage und plante interne Ablösungen, zum Beispiel durch den Einsatz von Brandschutzbereitschaften der Freiwilligen Feuerwehren. Im Stab arbeiteten Vertreterinnen und Vertreter der Berufs- und Freiwilligen Feuerwehren sowie Verbindungskräfte anderer Organisationen.

Wegen der hohen Gefährdung durch die auf dem Sprengplatz gelagerten Kampfmittel, Munitionen und Feuerwerkskörper wurde ein Sperrkreis von 1.000 Metern um den Sprengplatz festgelegt. Dieser konnte auch von den Einsatzkräften zunächst nicht betreten werden.

Frühzeitig wurde die Bevölkerung über Warn-Apps und die öffentlichen Medien vor Geruchsbelästigungen durch Rauch sowie zu hörende Explosionsgeräusche gewarnt. Weiterhin wurde vor dem Betreten des Grunewaldes im Bereich des Einsatzgebietes gewarnt und mitgeteilt, dass das Betreten des Sperrkreises verboten ist.

Um ein Ausbreiten des Brandes über den Rand des Sperrkreises hinaus zu verhindern, wurde im Laufe des Donnerstages eine den gesamten Sperrkreis umfassende Ringleitung aufgebaut. Dazu wurde eine großvolumige Wasserversorgung von der Havel über das Löschboot und von der Krummen Lanke mit Hilfe mehrerer Löschfahrzeuge und Schlauchwagen über mehr als 3 Kilometer Länge aufgebaut.

Im Laufe des Einsatzes breitete sich der Brand innerhalb des Sperrkreises auf eine Fläche von nahezu 500.000 m² aus, konnte aber jederzeit an der Grenze des Sperrkreises gehalten werden. Hierzu wurde der Randbereich durchgehend dynamisch bestreift und bewässert.

Da frühzeitig von einem sehr lange andauernden Einsatz mit einem sehr hohen Personal- und speziellen Gerätebedarf gerechnet werden musste, kamen bereits am ersten Tag des Einsatzes immer mehr Kräfte anderer Organisationen und privater Firmen zum Einsatz.

•    Die Polizei aus Berlin unterstützte bei der Sperrung des Gebietes und der umliegenden Straßen sowie der Vollsperrung der A 115 „AVUS“ sowie im Laufe des Einsatzes mit mehreren Wasserwerfern die Löscharbeiten. Es kamen auch Wasserwerfer aus anderen Bundesländern zum Einsatz.
•    Die Bundespolizei unterstütze mit einem Hubschrauber mit einer Wärmebildkamera die Erkundung aus der Luft und im späteren Verlauf ab dem 9. August mit mehreren Hubschraubern die Löscharbeiten aus der Luft durch gezielte Wasserabwürfe mit Aussenlastbehältern. Die Aussenlastbehälter wurden dazu im Flug direkt aus der Havel gefüllt.
•    Die Bundeswehr unterstützte mit gepanzerten Fahrzeugen die Erkundung am Boden sowie der Schaffung von Zuwegungen durch das unwegsame Gelände und der Schaffung von Brandschneisen am Rand des Sperrkreises.
•    Das Technische Hilfswerk unterstützte bei der Versorgung mit Kraftstoffen für die vielen technischen Komponenten sowie mit vier 30 Kubikmeter fassenden Wasserblasen bei der Wasserversorgung für den Einsatz und mit einem Drohnenteam.
•    Das Deutsche Rote Kreuz übernahm die Verpflegung der Einsatzkräfte durch den Betrieb einer Verpflegungsstelle an der Autobahnunterführung am Hüttenweg. Hier konnten sich alle Einsatzkräfte jederzeit mit Getränken und Snacks versorgen. Ebenso wurden warme Speisen angeboten und die Einsatzkräfte hatten hier einen Treffpunkt, an dem sie Pausen verbringen konnten, um für ihre sehr kräftezehrenden Aufgaben neue Energie zu tanken.  
•    Die Feuerwehren aus Falkensee in Brandenburg und Vechta in Niedersachsen unterstützten mit Einsatzrobotern die Löscharbeiten. Hier wurden im Laufe des Einsatzes Kräfte mehrerer freiwilliger Feuerwehren aus Berlin in die Bedienung der Einsatzroboter aus Vechta eingewiesen, die dann für mehrere Tage zur Benutzung in Berlin verblieben.
•    Eine private Firma aus Sachsen-Anhalt unterstützte die Löscharbeiten mit einem speziellen Löschpanzer, der mit einem 10.000 Liter fassenden Wassertank ausgestattet ist und gezielt Brandherde im Sperrgebiet nach Vorgabe der Sprengmeister ablöschen konnte.  

Darüber hinaus waren umfangreiche Kräfte des Kampfmittelräumdienstes über den gesamten Zeitraum zur Bewertung und Beurteilung der Gefahrenlage und als Beratende der Einsatzleitung vor Ort. Ebenfalls waren dauerhaft Kräfte der Berliner Forsten an der Einsatzstelle und unterstützten in der Einsatzleitung.

Im Laufe des Einsatzes machte sich auch die Regierende Bürgermeisterin von Berlin, Franziska Giffey und die Senatorin für Inneres, Digitalisierung und Sport, Iris Spranger, ein Bild von der Lage vor Ort und sprachen allen Einsatzkräften ihren Dank für den hochengagierten Einsatz aus. Der Einsatz wurde durchgehend von dem jeweils diensthabenden A-Dienst geleitet. Der Landesbranddirektor, Dr. Karsten Homrighausen, war nahezu über alle Tage vor Ort tätig.  

Um den enorm hohen Personalaufwand zu decken, kamen im Laufe des Einsatzes ehrenamtliche Kräfte aus fast allen Freiwilligen Feuerwehren des Stadtgebietes im Grunewald zum Einsatz. Darunter waren auch umfangreiche Kräfte aus 4 Brandschutzbereitschaften der Freiwilligen Feuerwehren. Ebenso waren Kräfte von nahezu allen Berufsfeuerwachen Berlins bei diesem Großbrand vor Ort. Die Berliner Feuerwehr und Rettungsdienst Akademie (BFRA) unterstützte mit Lehr- und Ausbildungskräften sowohl beim Auf- als auch Abbau der kilometerlangen Schlauchleitungen durch den gesamten Grunewald.

Über den gesamten Zeitraum des Einsatzes waren zur Eigensicherung Kräfte mit diversen RTW und NEF an der örtlichen Einsatzleitung anwesend. Im Verlauf kam es hierbei zu einer leichten Verletzung eines Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr, der vor Ort behandelt wurde und anschließend nach Hause entlassen werden konnte. 

Durch den Einsatz des privaten Löschpanzers und der Wasserwerfer der Polizei, die eine Wurfweite von rund 60 Metern erreichten, und der Einsatzroboter, konnte die Brandfläche nach und nach verkleinert werden. Der Sprengplatz im Kern des Sperrgebietes wurde hierbei ausschließlich durch die Sprengmeister der Polizei mit gepanzerten Fahrzeugen kontrolliert. Dadurch konnten auch hier potenzielle „Hotspots“ lokalisiert werden, die dann gezielt durch den Einsatz des Löschpanzers und der Löschroboter heruntergekühlt wurden.

Durch die laufend stattfindenden Bewertungen des Einsatzgebietes konnte im Laufe des 8. August der Sperrkreis auf 550 Meter verkleinert werden. zur Bewertung kamen auch über den gesamten Einsatzzeitraum mehrere Drohnen mit wärmebildgebender Technik zum Einsatz. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt unterstützte die Lagebewertung durch die Übermittlung aktueller hochauflösender Satellitenbilder.

Innerhalb des Sperrkreises befand sich seit Beginn des Einsatzes eine Schaf- und Ziegenherde, die aufgrund der hohen Gefahr in diesem Bereich zunächst nicht evakuiert werden konnte. Die Tiere wurden zunächst von Einsatzkräften mit Trinkwasser versorgt und konnten im späteren Verlauf des Einsatzes alle wohlbehalten von einem Schäfer aus dem Gefahrenbereich geführt werden.

Der seit Beginn des Einsatzes unterbrochene Zugverkehr der S-Bahn und des Regional- und Fernverkehres zwischen den Bahnhöfen Grunewald und Nikolassee konnte bereits im Laufe des 6. August wieder für den Betrieb freigegeben werden. Die Sperrung der BAB A 115 „AVUS“ und der Straßen Kronprinzessinnenweg und Havelchaussee konnte dagegen erst am Abend des 10. August aufgehoben werden. Ebenfalls am 10. August konnten die Warnungen der Bevölkerung aufgehoben werden.

Seit Beginn des Einsatzes gab es ein sehr großes und internationales Medieninteresse. Der Pressedienst der Berliner Feuerwehr stand vor Ort Medienvertretenden in enger Zusammenarbeit und Abstimmung mit der Polizei, der Bundeswehr und allen beteiligten Organisationen zur Verfügung. Die Bevölkerung wurde zusätzlich über den Kurznachrichtendienst Twitter über den Einsatz fortlaufend und direkt informiert.

Die Einsatzstelle wurde am 11. August im Laufe des Tages an die Polizei übergeben, trotzdem sind bis zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Berichtes am 18. August immer wieder Kräfte der Berliner Feuerwehr im Grunewald tätig, um Glutnester abzulöschen und Kontrollflüge mit Drohnen über dem Einsatzgebiet durchzuführen.

Die örtliche Einsatzleitung wurde für die gesamte Dauer der Maßnahmen zeitweise mit zwei Einsatzleitwagen 2 (ELW 2) am Parkplatz an der Autobahnausfahrt Hüttenweg sichergestellt. In dieser Befehlsstelle fanden regelmäßig Lagebesprechungen, an der auch der Stab Feuerwehr über eine Videoschaltung teilnahm, statt. Der Einsatz der verschiedensten Organisationen und speziellen Techniken erfolgte jederzeit koordiniert und zielgerichtet.

Ganz besonders zu erwähnen und zu würdigen ist bei diesem Einsatz das extrem hohe Engagement der unzähligen ehrenamtlichen Kräfte der Freiwilligen Feuerwehren aus Berlin, Falkensee und Vechta, des THW und des DRK, ohne die diese außergewöhnliche Lage nie zu bewältigen gewesen wäre. Sie alle können zurecht stolz auf ihre Arbeit sein, ihnen allen gilt an dieser Stelle ein ganz besonderer Dank!

Bilder: Berliner Feuerwehr

(dp/tk)

 

Der Waldbrand im Bereich des Sprengplatz Grunewald erfasste rund 50 Hektar Wald.
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Die örtliche Einsatzleitung traf sich regelmäßig zu Lagebesprechungen.
Verkehrswege, wie die bekannte BAB A 115 AVUS sowie mehrere Straßen- und Schienenwege mussten gesperrt werden.
Luftaufnahme der Einsatzstelle. Rechts davon die AVUS, im Hintergrund die Havel.
Der Waldbrand begrennzte sich auf den Bodenbereich und ging nicht bis in die Baumkronen.
Ein Hubschrauber der Bundespolizei mit Wärmebildkamera unterstützte die Kräfte bei der Lageerkundung aus der Luft.
Ebenfalls kamen mehrere Drohnen zum Einsatz.
Ein Wasserversorgung musste über mehrere Kilometer quer durch den Grunewald aufgebaut werden, um die Riegelstellung rund um den Sperrkreis durchgehend mit Löschwasser zu versorgen.
Das Technische Hilfswerk baute 4 jeweils 30 Kubikmeter fassende Wasserblasen auf.
Löschwasserversorgung aus der Havel über das Löschboot der Berliner Feuerwehr.
Gepanzerte Fahrzeuge der Bundeswehr halfen bei der Lageerkundung am Boden.
Ein Löschpanzer einer privaten Firma leistete wertvolle Dienste innerhalb des Sperrkreises.
Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr werden in die Bedienung des Einsatzroboters eingewiesen.
Taktischer Einsatzroboter im Löscheinsatz im Waldgebiet.
Die Regierende Bürgermeisterin von Berlin, Franziska Giffey, wird vom Landesbranddirektor über die Lage informiert.
Das Medieninteresse war enorm, es wurden daher im Laufe des Einsatzes diverse Pressekonferenzen abgehalten und Informationen an die Öffentlichkeit gegeben.
Tanklöschfahrzeug mit Wasserwerfer im Waldgebiet.
Der Waldboden am Rand des Sperrkreises wurde durchgehend gewässert, um ein Ausbreiten des Brandes über den Sperrkreis hinaus zu verhindern.
Fahrzeuge der Brandschutzbereitschaften im Bereitstellungsraum auf der BAB A 115 AVUS.
Fahrzeuge im Bereich des Hüttenweges.
Wasserwerfer der Polizei im Waldgebiet nahe des Sprengplatzes.
Im späteren Verlauf kamen auch zwei Hubschrauber der Bundespolizei mit Aussenlastbehältern zum Einsatz.
Das Deutsche Rote Kreuz betrieb an den Unterführungen am Hüttenweg eine Verpflegungsstelle.
Die Zahl der verlegten Schlauchleitungen geht in die Hunderte. Hier halfen auch viele Kräfte der Berliner Feuerwehr und Rettungsdienst Akademie beim Auf- und Abbau.