Landesbranddirektor Wolfgang Scholz (1989 – 1992)

Der „Vereinigungsbranddirektor“

Um Punkt null Uhr übernimmt Wolfgang Scholz am Neujahrsmorgen des Jahres 1989 offiziell die Leitung der Berliner Feuerwehr. Er ist zu diesem Zeitpunkt 55 Jahre, seine reguläre Amtszeit beträgt also nur gut vier Jahre. Scholz steht für Kontinuität. Er war bereits seit 1971 Seidels Stellvertreter. Die West-Berliner Feuerwehr, die er 1989 übernimmt, hat er zu einem guten Teil mitgestaltet. Revolutionäre Umwälzungen sind daher von Scholz nicht zu erwarten. Er will die Feuerwehr im Geiste Seidels weiterführen. Dennoch wird ihm ein besonderer Platz im Geschichtsbuch der Berliner Feuerwehr vergönnt sein: Wolfgang Scholz wird der erste Landesbranddirektor einer gesamtberliner Feuerwehr werden. Doch davon kann er bei seiner Amtsübernahme nichts ahnen. So steckt er sich eher überschaubare Ziele: Mit „FELSY“ soll die elektronische Unterstützung der Leitstelle weiter ausgebaut werden und die Feuerwehr soll für Umweltschutzeinsätze technisch besser ausgerüstet werden. Für die Einsatzkräfte möchte er die persönliche Schutzausrüstung verbessern. Die bereits unter Seidel erprobten neuen Kammgarn-Schutzanzüge und Lederjacken sollen flächendeckend eingeführt werden. Vor allem liegt ihm aber die Beschaffung neuer Feuerwehrhelme nach französischem Vorbild sehr am Herzen. In seiner Amtszeit wird Scholz keines dieser Ziele erreichen können, denn am 9. November 1989 öffnet die DDR ihre Grenzen und nicht einmal ein Jahr später werden die beiden deutschen Staaten und damit die beiden Berliner Stadthälften wieder vereinigt.

Ohne historisches Vorbild

Als der Leiter der Brandschutzdirektion Ost, Oberbrandrat Schäfer, am 3. Oktober 1990 um null Uhr in einer bescheidenen Zeremonie die Ost-Berliner Feuerwehr formal an Wolfgang Scholz „übergibt“, blicken beide auf aufregende und arbeitsreiche Monate zurück. Zunächst bedeutete der Fall der Mauer ja keinesfalls, dass nun zwangläufig auch die beiden teile Deutschlands und damit auch die beiden Feuerwehren wiedervereinigt würden. Der erste Kontakt zur „Ostseite“ im Dezember 1989 erfolgt daher zunächst inoffiziell, gewissermaßen auf „privater“ Ebene. Doch schnell entwickelt sich eine enge Zusammenarbeit. Erst im Frühsommer 1990 zeichnet sich ein Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland ab. Die Vereinigung der beiden Feuerwehren ist ein schwieriger Akt für den es keinerlei historische Vorbilder gibt. Scholz ist es ein großes Anliegen, auf die Kollegen im Ostteil nicht als „Sieger der Geschichte“ zu wirken, er macht aber in den Verhandlungen auch unmissverständlich klar, dass das „System West-Berliner Feuerwehr“ auf die gesamte Stadt ausgeweitet werden soll. Mit der Vereinigung im Oktober 1990 beginnt für Scholz nun aber erst die Arbeit. Unendlich viel ist im Detail zu regeln, um wirklich gleiche Verhältnisse in Ost und West herzustellen.

Kampf um den Rettungsdienst

Eine der größten Herausforderungen ist dabei das Thema Rettungsdienst, denn das Ost-Berliner Rettungsamt fusionierte nicht am 3. Oktober 1990 mit der Berliner Feuerwehr sondern konnte seine Eigenständigkeit zunächst wahren und blieb für den Rettungsdienst in den östlichen Bezirken zuständig. Auf politischer Ebene gibt es sogar Bestrebungen, den Rettungsdienst durch das Rettungsamt auf ganz Berlin zu übertragen. Scholz setzt sich jedoch vehement dafür ein, den Rettungsdienst bei der Feuerwehr zu belassen und das Ost-Rettungsamt aufzulösen. Mit Erfolg: Am 1. Juli 1991 werden Personal, Gebäude und Fahrzeuge des Rettungsamtes von der Feuerwehr übernommen. Mit Stand 31. Dezember 1991 hat die Berliner Feuerwehr fast 7.000 Angehörige. Als Scholz im Jahre 1992 vom Innensenator verabschiedet wird, hat er viel für die Herstellung gleicher Verhältnisse in Ost und West bewirkt, vollenden konnte er sein Werk freilich nicht. Erst 17 Jahre später wird man feststellen können, dass nun alle Unterschiede zwischen dem Ost- und dem Westteil aufgehoben sind. 

Wolfgang Scholz verlebt seinen Ruhestand in Tegelort, wo er bereits 1949 in die Freiwillige Feuerwehr eingetreten war.